Schriesheim

Weg von Einweg!

Archivartikel

Konstantin Groß zur „Geschirr-Frage“ beim Straßenfest

Quasi nebenbei schlägt in Schriesheim ein Thema auf, das umweltpolitisch von großer Bedeutung ist: die Verwendung von Einweggeschirr bei Festen. Durch eine zufällige Bemerkung auf einer Pressekonferenz wurde offenbar, dass in Schriesheim dafür seit langem ein Verbot gilt, dies allen Verantwortlichen in der Stadt bekannt ist und war, es aber dennoch seit Jahren weder kontrolliert noch geahndet wird.

Dieser Umstand ist – um es zurückhaltend zu formulieren – erstaunlich. Nicht zuletzt, weil Schriesheim diejenige Stadt in der Region ist, die einen grünen Bürgermeister sowie die Grünen als mit Abstand stärkste Gemeinderatsfraktion aufweist; ökologisches Profil sieht anders aus.

Insofern ist es gut und richtig, dass Bürgermeister Höfer die Notbremse gezogen und eine Änderung dieser Praxis angekündigt hat. Auch dass diese Abkehr vom bisherigen Vorgehen beim anstehenden Straßenfest noch nicht umgesetzt wird, ist nachvollziehbar; Vereine, Wirte und Winzer sollen nicht darunter leiden müssen, dass nun nicht mehr gelten soll, was bisher geduldet wurde. Doch nächstes Jahr kann niemand mehr überrascht sein.

Kritik zu erwarten

Umsteuern ist unumgänglich. Es ist unvertretbar, dass in einer Zeit, in der buchstäblich alle Welt über die Belastung der Meere durch Plastikmüll diskutiert, in Schriesheim eine Vorgabe nicht umgesetzt wird, die das Problem schon vor 20 Jahren angehen wollte.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass der Aufschrei bei den Standbetreibern erheblich sein wird – gerade in Schriesheim, wo die Vereine nicht nur von Vorgaben von Wirtschaftskontrolldienst und Gewerbeaufsicht betroffen sind, sondern auch von den hier besonders strengen Sicherheitsauflagen.

Ein Argument wird sein, dass es den ehrenamtlich Aktiven nun noch ein bisschen schwerer gemacht wird, sich für derartige Veranstaltungen zu engagieren. Und es mag auch die Ansicht geben, dass das Great Barrier Reef vor Australien nicht zu Grunde geht, wenn beim Straßenfest eine Plastikgabel benutzt wird.

Das alles mag irgendwie richtig sein. Aber es gilt eben auch die Binsenweisheit: Globales Gegensteuern gegen globale Missstände beginnt immer vor Ort.