Schriesheim

Neckar-Bergstraße Wie die Partnerstädte der Gemeinden im Verbreitungsgebiet bei der Europawahl abgestimmt haben

Gegen den Trend, für Macron

Archivartikel

Wie haben bei der Europawahl am Sonntag die Partnerstädte der Kommunen im Verbreitungsgebiet in den europäischen Nachbarländern gewählt? Der „MM“ blickt auf die Ergebnisse vor allem in Frankreich, aber auch in Österreich.

Zunächst zu Frankreich. Landesweit liegt der rechtsextreme Rassemblement National (Nationale Sammlung), bis 2018 Front National (Nationale Front), von Marine Le Pen mit 23,3 Prozent vorne. Auf Platz 2 folgt „La Republique en Marche“ von Staatspräsident Emmanuel Macron mit 22,4 Prozent, danach die Grünen (Les Vertes) mit 13,5 und die von Ex-Präsident Sarkozy neu formierten Republikaner mit 8,5 Prozent.

Chécy: Ilvesheims Partnerstadt im Herzen Frankreichs ist traditionell eine Hochburg des Präsidenten. Auch diesmal fährt seine Partei hier mit fast 28 Prozent den Sieg ein. Vergleichsweise abgeschlagen landet Le Pens RN bei 18,5 Prozent. Die Grünen kommen auf rund 14, die Republikaner auf fast zehn Prozent.

Plouguerneau: In der am Ärmelkanal gelegenen Partnergemeinde von Edingen-Neckarhausen bietet sich ein ähnliches Bild: En Marche erreicht fast 25 Prozent, Le Pens Partei rund 20 Prozent. Die Grünen kommen auf etwa 15 Prozent, die Republikaner auf neun Prozent.

Nogent-le-Roi: Eine Ausnahme als rechte Hochburg bildet dagegen traditionell die im Norden Frankreichs gelegene Partnerstadt von Heddesheim. Hier liegt Le Pens Bewegung mit mehr als 26 Prozent klar vorne, die Partei des Präsidenten bei gerade einmal 20 Prozent. Auch die Grünen rangieren mit nicht einmal elf Prozent unter dem Landesdurchschnitt, die Republikaner bei acht Prozent.

Uzès: Ein gutes Ergebnis fährt die Partei des Präsidenten in der nahe am Mittelmeer gelegenen Partnerstadt von Schriesheim ein: En Marche kommt hier auf fast 27, die extreme Rechte auf nicht mal 19 Prozent. Die Grünen erreichen 14 Prozent.

Brignais: Noch besser sieht es für die Partei des Präsidenten in der ersten Partnerstadt Hirschbergs im Südosten Frankreichs aus. Hier kommt En Marche auf 28 Prozent, Le Pens Partei landet weit abgeschlagen bei 15 Prozent. Platz 2 erobern hier die Grünen mit 17,5 Prozent, die Republikaner gute elf Prozent.

Schweighouse: Bildete die zweite Partnerstadt Hirschbergs – wie das ökonomisch krisenhafte Elsass insgesamt – bei früheren Wahlen eine Hochburg der Rechten, so kommen diese bei der jetzigen Europawahl hier auf „nur“ 22 Prozent. Vor ihnen liegt En Marche mit mehr als 26 Prozent. Die Grünen belegen hier mit mageren zehn Prozent lediglich den vierten Platz – nach den Republikanern mit elf Prozent.

Noch einen Blick auf Österreich, das ebenfalls Bindungen in die Region hat: Die Marktgemeinde Paternion verbindet eine Freundschaft mit Ladenburg, St. Margarethen ist inoffizielle Partnerstadt Schriesheims.

Landesweit holt die konservative ÖVP des bisherigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz rund 35 Prozent, die sozialdemokratische SPÖ 24 Prozent, die rechtspopulistische FPÖ des früheren Vizekanzlers Heinz-Christian Strache 17 Prozent. Die Grünen kommen auf 14 Prozent.

Paternion: In Ladenburgs Partnergemeinde gewann die ÖVP mehr als zwölf Punkte hinzu und wird mit ihren nunmehr 32 Prozent stärkste politische Kraft. Sie löst als solche die FPÖ ab, die 4,5 Punkte verliert und „nur“ noch 26 Prozent erreicht. Damit liegt sie aber immer noch vor der SPÖ, die knapp zwei Punkte verliert und mit ihren nunmehr 24,6 Prozent auf Platz drei landet. Die Grünen holen hier weniger als drei Prozent.

St. Margarethen: Die inoffizielle Partnergemeinde von Schriesheim ist seit 1973 Teil der Stadt Wolfsberg. Auch hier legt die ÖVP kräftig zu und kommt mit 30 Prozent ganz nah an die SPÖ heran, die trotz Verlusten von drei Punkten mit 30,5 Prozent ihren Spitzenplatz knapp behaupten kann. Die FPÖ legt hier sogar um fast vier Prozent zu. Auch hier sind die Grünen mit weniger als sieben Prozent ohne große Bedeutung.

Zum Abschluss ein Blick nach Großbritannien: Das Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim unterhält enge Beziehungen zum Chesterfield College im englischen Cambridge. Von den rund 40 000 Stimmen in der altehrwürdigen Universitätsstadt gehen 17 000 an die Liberalen und 9400 an die Grünen – beide sind für den Verbleib in der EU. Die Brexit-Party kommt lediglich auf 5064 Stimmen.