Sandhofen

Kerwe I Aktive sprechen Probleme im Stadtteil an / Breites musikalische Angebot und verkaufsoffener Sonntag

Klare Worte von der Leiter herab

Archivartikel

Das größte Volksfest im Mannheimer Norden, die Kerwe in Sandhofen, zog einmal mehr die Menschenmassen an. Am Kerweplatz im alten Viertel und am „Event-Platz“ Stich war allerhand geboten. Der Vorsitzende der Bürgervereinigung Sandhofen (BVS), Roland Keuerleber, begrüßte die Gäste bei der Eröffnung. Durch das Programm führten Sabine Klotz, ehemalige Stadtprinzessin, und Reinhard Steinfurth vom Gewerbeverein Sandhofen.

Ein großes Stück an Tradition ließ die Kerwebagage mit ihrem Auftritt aufleben. Es kam gut an, dass die Aktiven den Gästen und Politikern von der Leiter herab die Leviten lasen. Max Wegerle als Kerweborsch prangerte so manche Dinge an, die in Sandhofen falsch laufen. In seinem Vortrag ging es vor allem um die 30er Zone am Stich. Wegerle lobte die Guerilla-Aktion, „die Zahl 30 uff die Strooß zu mole“, um die Autofahrer zu ermahnen (wir berichteten).

Auch Kerweborsch Kay Schäfer sprach lokale Probleme an. Vor allem bekam eine kriminelle Jugendbande, die sich hier seit längerer Zeit breit macht, ihr Fett ab – unter dem Gelächter der Zuschauer. Schäfer plädierte für mehr Streifenfahrten der Polizei vor allem nachts – „dass vorne om Mönchplatz, un zwar gonz verbisse, die alte Leit, die dort wohne, kä Ongscht mehr hawwe misse“. Nach der Eröffnung zogen die Besucher über den Kerweplatz zum Stich.

Das musikalische Programm war gut ausgewählt und für jeden Geschmack etwas dabei. Bereits in der Kriegerstraße vorm Café Bette sorgten die Gruppen Superjam und Fate Music für gute Stimmung. Der im Norden sehr bekannte Countrysänger Peter Lang rockte bereits samstagsnachmittags den Stich.

Schlagertanten begeistern

Der Sonntag begann mit dem ökumenischen Gottesdienst der Dreieinigkeits- und Bartholomäusgemeinde, begleitet von der Band Burnesseln und wie immer sehr gut besucht – ebenso wie der Stich selbst. So waren an den Tischen freie Plätze oft Mangelware.

Zum Renner wurden wieder einmal die Schlagertanten des Rhein-Neckar-Theaters. Markus Beisel alias Céline Bouvier versteht es immer wieder, das Publikum mit lockeren Sprüchen zu unterhalten. Die Band Full House Music begeisterte am Sonntagabend am Stich. Zu einem Frühschoppen und Weißwürsten passt einfach nur Blasmusik. Fotografenmeister Bernd Mechnig-Diehl engagierte die Blasmusikkapelle Blau Weiß Waldhof, und Mitglieder von PX de Dom servierten dazu die beliebten Weißwürste.

Beim verkaufsoffenen Sonntag gab es in früheren Jahren mitunter kein Durchkommen mehr. Auch wenn der Massenandrang ausblieb, sind die offenen Läden immer noch ein Magnet, der die Menschen anzieht. Angefangen bei Benz Lederwaren flanierten die Besucher über die Kerwemeile. Im Reisebüro „Mal Anders Reisen“, das Heike Anders-Dahms seit 22 Jahren betreibt, war Urlaubsfeeling mit einem Familienaktionstag angesagt.

In der Schönauer Straße wurde für Straßenhunde in Rumänien gesammelt. Elke Fröhlich von Blumen Rosenrot verkaufte Kaffee und Kuchen für die Tieraktion „Helfer in Not“, für die sie sich selbst engagiert. Zwischendurch nutzten Gäste das Essenangebot, unter anderem an der Metzgerei Schlenker und der Osteria La Rustica. Mit Glücksrad und attraktiven Gewinnen erwarteten Apotheker Markus Bohleier und seine Mitarbeiter die Gäste. Die Flower-Power-Zeit holten sich Besucher mit selbst gesteckten Blumenkränzen am Stand von Ikea zurück. Mode ist vor allem für die Damen ein Thema. Informieren konnten sie sich im Modehaus Engländer, Moda Milano, Schneiderei Alboje und bei Micky’s Fashion, wo Goldschmiedin Julia Karius dazu passenden Schmuck anbot. Eine neue Frisur gab es beim Frisörteam Kopper nicht. Dafür lockten eisgekühlte Cocktails. Kind sein durften die Männer im „Höreck“. Dort standen dieses Mal Märklin-Eisenbahnen im Vordergrund.

Roland Keuerleber kündigte an, dass er und die Vorsitzende des Gewerbevereins, Bettina Herbel, nur noch im kommenden Jahr an der Spitze der Kerweorganisation stehen möchten. Für 2020 müsse ein neues Team gefunden werden, das man natürlich unterstützen werde. Insgesamt werde es immer schwieriger, Helfer zu finden. Die Gefahr, dass die Kerwe irgendwann sterben könne, sei nicht abwegig.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/sandhofen