Rheinau / Hochstätt

Rheinau Dürre macht Bäumen im Dossenwald zu schaffen / Forstarbeiter wässern vor allem die 13 500 Neupflanzungen / Weiterhin Rauchverbot wegen Brandgefahr

„Ohne unsere Hilfe würden sie eingehen“

Archivartikel

Das Kirschbäumchen ist gerade erst zwei Jahre alt, aber die Zweige an seinem dünnen, langen Stamm sind kahl. Die anhaltende Dürre hat sie zu Boden fallenlassen. Das war das traurige Bild, dass sich Revierförster Norbert Krotz und seinen Mitarbeitern noch vor wenigen Tagen geboten hatte. Viele der rund 13 500 Bäume, die sein Team zwischen 2014 und 2018 im Rheinauer Wald gepflanzt hatten, waren betroffen. Doch die Hilfe per Schlauch kam letzte Woche gerade noch rechtzeitig. Fast alle Pflanzen haben inzwischen wieder ausgeschlagen und konnten gerettet werden.

Saftig grün sprießen aus dem Holz der braunen Ästchen winzige Blättchen. Zufrieden betrachtet Tobias Schröck die zarten Neulinge. Das mühselige Wässern hat sich gelohnt: „Es ist einfach schön, wenn man dann solche Erfolge sieht“, erzählt der Kurpfälzer. Den Beruf des Fortswirtes hat der heute 30-Jährige im Mannheimer Süden erlernt. Seit eineinhalb Jahren ist er bei der Stadt als Schlepperfahrer in Lohn und Brot. Die Gieß-Aktion macht ihm große Freude: „Klar, denn ohne unsere Hilfe würden die Pflanzen eingehen und wären jetzt nicht Grün belaubt, sondern tot.“

Trockene Sandböden

Also hat das Eingreifen von Menschenhand gerade noch rechtzeitig stattgefunden? „Ja, es war jedenfalls noch nicht zu spät“, resümiert Förster Krotz nach einem Rundgang im Bereich der jüngeren Anpflanzungen: „Normalerweise helfen wir den Bäumen nicht mehr, wenn sie bereits über ein Jahr alt sind.“

Aber der Sommer 2018 war eben bislang extrem trocken: „Der letzte nennenswerte Niederschlag, also über zehn Liter pro Quadratmeter, der ist am 12. Juni mit 16 Liter gefallen. Und im kompletten Juli hat es ebenfalls nur 16 Liter geregnet.“ Deshalb mussten die Forstleute in diesem Jahr auch den bereits drei bis vier Jahre alten Bäumen Wasser geben: „Obwohl sie schon Feinwurzeln ausgebildet hatten.“

Zunächst habe Krotz geprüft, ob die Braunfärbung eine andere Ursache als Wassermangel hat. Als er und sein Team dies sicher ausschließen konnten, starteten sie die Bewässerungsarbeiten. „Ziel ist es natürlich, die jungen Bäume am Leben zu erhalten“, erzählt Lena Löw. Die 21-Jährige ist Auszubildende im ersten Jahr und zusammen mit Tobias Schröck im Gieß-Einsatz.

„Ansonsten hätten wir sicherlich große Ausfälle“, versichert Krotz. Denn der Boden im Dossenwald ist sehr sandig: „Deshalb ist seine Wasserhaltefähigkeit auch sehr gering.“

Und für den Fachmann steht heute schon fest, dass er und seine Mannschaft auch die kommenden Tage noch mit Wasserpumpen und Schläuchen anrücken werden: „Denn es ist immer noch nicht viel Regen in Sicht.“

Korkeichen vertragen Wärme

Trockenheit wird auch in den kommenden Jahren ein immer größeres Problem darstellen. „Das Klima wird sich weiter verändern, es wird immer wärmer und trockener.“ Deshalb pflanzt er vorwiegend klimatolerante Bäume. Und so haben neben heimischen Arten wie Eiche, Kirsche, Kiefer, Nuss und Kastanie vor allem Zedern, Schwarzkiefern sowie Kork- und Flaumeichen, die mit unseren Trauben- und Stileichen eng verwandt sind, den Vorrang: „Denn in 20 bis 30 Jahren wird bei uns ein ähnliches Klima vorherrschen, wie in Mailand heute. Und das werden wir in der Oberrheinebene zuerst zu spüren bekommen, weil unsere Region schon immer niederschlagsärmer war.“

Feuerwehr und Forstverwaltung stellen nicht erst seit den drei Bränden im Käfertaler Wald Ende Juli und Anfang des Monats (der „MM“ berichtete) eine erhöhte Brandgefahr fest. Deshalb sind alle Grillplätze und Feuerstellen in den Mannheimer Wäldern sowie im Rhein-Neckar-Kreis gesperrt. Und gleichgültig, so Krotz, ob die Ursache für die Brände achtlos weggeworfene Kippen oder ein zerbrochenes Glas waren: „Es herrscht generell von 1. März bis 31. Oktober Rauchverbot.“

Und wie geht es dem Kirschbäumchen mit dem verdorrten Laub heute? Auch seine Zweige tragen wieder kleine grüne Blättchen. Accessoires, die es nicht nur gut kleiden, sondern auch Grund zur Hoffnung geben, dass es die lange Dürreperiode gut überstehen wird.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/rheinau