Rhein-Neckar Löwen

Handball

Löwen-Lust auf ersten Mini-Titel

Mannheim.Es ist nur ein Vorbereitungsturnier, doch Martin Schwalb bemisst seinen Erfolgshunger bei Handballspielen nicht nach der Wichtigkeit der Begegnung. „Es ist vollkommen egal, ob wir ein Qualifikationsspiel zur Gruppenphase der European League, eine Bundesligapartie oder einen Test bestreiten. Wenn wir uns treffen, treten wir anschließend an, um zu gewinnen“, sagt der Trainer der Rhein-Neckar Löwen und gibt damit unmissverständlich die Marschroute vor. 

Im Finale am Sonntag (13.15 Uhr) um den BGV-Cup gegen den Ligarivalen HBW Balingen-Weilstetten fordert der 57-Jährige in der Stuttgarter Porsche-Arena den vierten Sieg in Serie seiner Mannschaft, nachdem sie zuvor in der Vorrunde schon gegen den TVB Stuttgart und die SG BBM Bietigheim gewonnen hatte. Am Freitag schloss sich im Halbfinale ein unerwartet deutlicher 34:21-Erfolg über Frisch Auf Göppingen an, obwohl es in der Anfangsphase gar nicht nach einem Kantersieg ausgesehen hatte. 

Ein bisschen lethargisch sah das zunächst aus, was die Löwen da ohne die weiterhin verletzten Mait Patrail (Muskelfaserriss), Jesper Nielsen (Reha nach Knie-OP), Alexander Petersson (Achillessehnenbeschwerden) sowie den kurzfristig ausgefallenen Albin Lagergren (muskuläre Probleme) zeigten. Nach einer Auszeit des Trainers riss sich der zweifache deutsche Meister aber nicht nur zusammen, sondern auch die Partie an sich. Teilweise zeigten die Badener spektakuläre Angriffe mit fein herauskombinierten Treffern. 
„Da haben wir echt ein paar Zaubertore erzielt und den Ball schnell laufen lassen. Aber diese Spielfreude hätte ich mir von Beginn an gewünscht“, kritisierte Schwalb. Ihm missfiel der „Stand-Handball“ in der Anfangsviertelstunde ebenso wie die fehlende Arbeitsbereitschaft in der Deckung, in der er erneut eine 3:2:1-Formation aufbot. Und um erst gar keine Diskussionen aufkommen zu lassen, stellte Schwalb gleich klar, dass die taktische Ausrichtung nicht das Problem gewesen sei. Wohl aber die Einstellung. „Wenn man sich nicht bewegt, ist es egal, in welcher Abwehrformation man spielt. Da kann man sogar bei der Handball-Bundesliga einen Antrag stellen und darum bitten, mit acht Mann verteidigen zu dürfen. Das hilft dann auch überhaupt nichts. Wenn man nicht aggressiv ist und den Gegner zu nah herankommen lässt, geht es immer schief.“ 

Und so blieb Schwalb trotz eines Rückstands in der Anfangsphase bei der offensiven 3:2:1-Variante, nahm aber eine kleine Korrektur vor. Ymir Gislason rückte von der Spitze auf die Halbposition und übernahm die dortige Aufgabe von Jannik Kohlbacher, der wiederum fortan ganz vorne agierte. „Das hat mir gefallen, wie Jannik das gemacht hat. Er hat ein gutes Gefühl dafür, ihn sehe ich in der Zukunft häufiger dort. Ymir wiederum ist der aggressivere Part auf der Halbposition. Da war Jannik mir zu passiv“, freute sich der Trainer über einen gelungenen Rollentausch und den großen Auftritt von Rückraummann Niclas Kirkeløkke. 
Da Geburtstagskind Lagergren ebenso wie Petersson ausfiel, war der Däne als Alleinunterhalter auf der halbrechten Position gefragt und machte ein ganz starkes Spiel, nachdem er zuletzt nicht sonderlich aufgefallen war. „Der Niclas weiß gar nicht, wie gut er ist. Das sage ich ihm auch immer“, meinte Schwalb und zählte schwärmend die Qualitäten des Linkshänders auf: „Der Junge ist schnell, er hat einen starken Wurf und ein gutes Auge, kann zu beiden Seiten gehen und hoch springen. Der hat wirklich alles, was ein Handballer braucht.“ 

Letzteres gilt zweifelsohne auch für Andy Schmid, er hat genau das schließlich schon oft genug bewiesen. In den ersten drei Turnier-Begegnungen fehlte der Schweizer mit kleineren Wehwehchen, gegen Göppingen meldete er sich mit drei Treffern in der ersten Halbzeit zurück. Danach hatte der Vize-Kapitän Feierabend – und zwar sehr zu seinem eigenen Leidwesen. „Schwalbe ist ein Spielverderber“, scherzte er mit Blick auf den Trainer, der bei Schmid kein Risiko gehen wollte. Denn der Coach weiß, dass er den Routinier am Sonntag im Finale wieder in guter Verfassung braucht. Schließlich will Schwalb auch dieses Spiel gewinnen.

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