Rhein-Neckar Löwen

Handball Bislang müssen es bei den Löwen wieder die Stammkräfte richten / Heute gegen Minden

Die Erträge der Etablierten

Archivartikel

Mannheim.Eine Niederlage der Rhein-Neckar Löwen bei der SG Flensburg-Handewitt - das hatte man eigentlich nicht mehr für möglich gehalten. Vier Mal hatte der Handball-Bundesligist zuletzt das Gipfeltreffen an der Förde für sich entschieden, am Sonntag erwischte es ihn aber mal wieder. "Es ist allerdings nichts Gravierendes passiert", sagt Löwen-Kreisläufer Hendrik Pekeler angesichts des Umstandes, dass man bei einem Favoriten auf den Titel durchaus verlieren darf. Außerdem hatten die Badener auch in der vergangenen Runde nach einer Heim-Niederlage gegen Flensburg früh zwei Minuspunkte auf dem Konto. Am Ende reichte es trotzdem für die Meisterschaft.

Vor dem Heimspiel heute (19 Uhr) gegen GWD Minden ist deshalb bei den Löwen auch keine Panik ausgebrochen, allerdings zeigten die ersten Begegnungen, dass es Probleme gibt. Wie befürchtet kann der Meister den Verlust von Kim Ekdahl du Rietz nicht auf Anhieb kompensieren. Die halblinke Königsposition ist "momentan vielleicht unsere Achillesferse", sagte Kapitän Andy Schmid schon nach dem Auftakterfolg in Lemgo. Mads Mensah Larsen agiert bislang genauso wie in der Vergangenheit - zu schwankend. Zwischen wirklich gut (Supercup gegen Kiel), eher durchwachsen (Lemgo) und weniger gelungen (Flensburg) war schon alles dabei. Der Däne ist (noch) keine Konstante wie es Ekdahl du Rietz war. Der sei in der Vergangenheit "wie ein Schnellzug durch die gegnerische Abwehr gerast", sagte Schmid.

Keine Frage: Der Weggang von Ekdahl du Rietz schmerzt. Das wussten die Löwen schon lange, jetzt spüren sie es auch. Seine Tore, sein Mut und - das zeigte die Begegnung in Flensburg ebenfalls - seine Qualitäten in der Deckung fehlen den Badenern, die den Weggang des Halblinken mit mehreren Kräften auffangen wollen. Dieser Plan ging bislang nicht richtig auf, da zu viel am schwankenden Mensah Larsen hängt. Neuzugang Momir Rnic ist in der Abwehr nur bedingt zu gebrauchen und in die Offensivaktionen noch nicht komplett eingebunden, seine unglücklichen Kurzauftritte unterstrichen das. "Er ist ein guter Schütze, aber wir müssen die taktischen Abläufe verändern, wenn er spielt", sagt Trainer Nikola Jacobsen.

Drei Spieler für hablinke Position

Im Gegensatz zu Ekdahl du Rietz sucht Rnic nicht das Eins-gegen-eins, sondern wirft lieber aus der Distanz. "Das ist ein ganz anderer Stil, darauf müssen wir uns einstellen", erklärt Schmid, der sich als Regisseur ebenso selbst in der Pflicht sieht: "Es liegt auch an mir, ihn besser in Szene zu setzen." Mit Filip Taleski steht sogar noch ein dritter Halblinker zur Verfügung, doch der 21-Jährige ist nach wie vor weit davon entfernt, dem Bundesligisten helfen zu können. Jacobsen: "Er muss sich in vielen Bereichen verbessern, was in seinem Alter allerdings vollkommen normal ist."

In der Tat steht der junge Mazedonier als Allerletzter in der Pflicht, sich zum Erben von Ekdahl du Rietz aufzuschwingen. Vor allem der seit 2014 für die Löwen spielende Mensah Larsen ist gefragt, nicht umsonst machte Jacobsen schon vor der Saison deutlich, dass er mehr von seinem dänischen Landsmann erwarte: "Ich weiß, dass er mehr kann, als er bislang gezeigt hat. Von ihm erhoffe ich mir mehr Konstanz." Dass Mensah Larsen zu überragenden Leistungen fähig ist, zeigte er in der Vergangenheit immer mal wieder. Vor allem in der Champions League. Doch stabil auf hohem Niveau agierte er kaum.

Das gilt auch für Harald Reinkind, von dem sich Jacobsen ebenfalls mehr erhofft, damit der Norweger endlich zu einer dauerhaften und nicht nur punktuellen Alternative für Alexander Petersson wird. In Flensburg erwischte der Isländer - wie einige andere auch - nicht seinen besten Tag, auch weil er die Woche über wegen Nackenproblemen kaum trainiert hatte. Trotzdem stand er fast 55 Minuten auf der Platte, was durchaus Rückschlüsse auf das Vertrauen in Reinkind zulässt.

"Die Jungs aus der zweiten Reihe müssen mehr aufs Gaspedal drücken, den Etablierten Konkurrenz machen. Da können und müssen wir uns steigern", hatte der Sportliche Leiter Oliver Roggisch noch wenige Tage vor dem Supercup gesagt. Gegen Kiel, in Lemgo und Flensburg standen - von wenigen Minuten einmal abgesehen - aber stets die gleichen Spieler auf dem Feld. "Da muss von der Bank mehr Entlastung kommen", fordert deshalb auch Kreisläufer Pekeler.

Fest steht: Die aktuelle Konstellation ist noch nicht dramatisch, aber gefährlich. Vor allem dann, wenn bald die Zusatzbelastung Champions League dazukommt, auch wenn nicht davon ausgegangen werden durfte, dass der Verlust von Ekdahl du Rietz sofort aufzuwiegen ist. Das Problem: Die Zeit drängt, es sind wöchentlich Höchstleistungen gefragt, denn die knallharte Bundesliga gewährt überhaupt keine Eingewöhnungszeit - und sie verzeiht erst recht keine Ausrutscher.

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