Rhein-Neckar Löwen

Handball Schon am dritten Spieltag treten die Löwen zum stets brisanten Duell beim Vizemeister Flensburg an

Das Beste zum Start

Archivartikel

Mannheim.Was war das bloß für ein dramatisches Saisonfinale. Über Monate lieferten sich die SG Flensburg-Handewitt und die Rhein-Neckar Löwen in der vergangenen Runde ein packendes Fernduell um die deutsche Handball-Meisterschaft. Beide Teams feierten Sieg um Sieg, marschierten durch die Bundesliga. Das fesselte, das faszinierte die Massen. Denn es stand ja noch der ultimative Höhepunkt, das direkte Duell der Meisterschaftsanwärter am 31. Spieltag aus, das die Löwen für sich entschieden. Sie waren der große Gewinner, wurden Meister - aber auch jeder Handball-Interessierte freute sich. Denn besser hätte dieser Krimi nicht geschrieben werden können. Spannung bis zum Schluss, so wünscht man sich das.

In dieser Saison haben sich die Bundesliga-Spielplangestalter etwas anderes überlegt. Flensburg gegen die Löwen - dieses Duell der erneuten Titelkandidaten gibt es schon am dritten Spieltag. Ob die Fußball-Bundesliga auch auf die Idee kommen würde, Bayern München gegen Borussia Dortmund so früh in der Runde gegeneinander antreten zu lassen? Wahrscheinlich eher nicht. Dort gibt es in der Regel das Beste zum Schluss - und nicht schon zum Start.

Bereits morgen (15 Uhr) stehen sich also der Vize und der Meister erneut gegenüber - und natürlich werden da Erinnerungen an das Duell Ende Mai wach, als die Badener mit einem 23:21-Auswärtssieg den entscheidenden Schritt zur zweiten Meisterschaft in Folge machten. "Wir waren befreiter, haben mutiger gespielt und mehr probiert", blickt Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen gerne zurück und räumt ein, dass seine Mannschaft damals "nicht den ganz großen Druck" gehabt habe: "Die Flensburger standen die meiste Zeit auf Platz eins, hatten das Heimspiel gegen uns." Außerdem waren die Löwen schon im Jahr davor Meister geworden. Sie hatten bereits geliefert - und legten dann nach.

SG nach Patzer unter Druck

Unter Zugzwang stehen die Norddeutschen jetzt schon wieder, da sie zuletzt bei der TSV Hannover-Burgdorf verloren. Mit einer weiteren Niederlage gegen die Badener würde der Club von der Ostsee frühzeitig an Boden im Meisterschaftsrennen verlieren. "Wir müssen am Sonntag gewinnen", stellt Rückraumspieler Rasmus Lauge klar.

Beim Titelverteidiger aus Mannheim, der am Donnerstag spielfrei war und um den Einsatz von Gudjon Valur Sigurdsson (Wadenprobleme) bangt, lief zuletzt auch nicht alles rund. Im Supercup gegen den THW Kiel und am ersten Spieltag beim TBV Lemgo wechselten sich gute und schlechte Phasen ab. Trotzdem gewann der Meister beide Begegnungen - doch nicht nur deshalb fährt er mit einem guten Gefühl Richtung Ostsee.

Selbstbewusster Meister

Die Löwen wissen, dass sie schwierige Aufgaben meistern, dass sie große Titel gewinnen und vor allem, dass sie in der "Hölle Nord" bestehen können: Zuletzt gelang ihnen das vier Mal in Folge. Eine bemerkenswerte Bilanz angesichts der Flensburger Heimstärke: 28 der letzten 30 Partien gewann die SG vor eigenem Publikum, die zwei einzigen Niederlagen kassierten sie gegen die Löwen, wovon die letzte eben besonders schmerzte. Sie kostete die fest eingeplante Meisterschaft.

"Das war ein Schock", erinnert sich Bogdan Radivojevic, der bis zum Sommer noch das SG-Trikot trug und nun für die Badener spielt. Alles hatten die Norddeutschen dem Titel-Traum untergeordnet. Am Ende blieben Jammer statt Jubel - und die Hoffnung auf einen erfolgreichen neuen Angriff auf die Schale.

Entsprechend groß ist die Erwartungshaltung auch jetzt, drei Monate nach dem tränenreichen Drama. Die SG muss liefern, sie steht vielleicht sogar in der Pflicht, die Leidenszeit endlich zu beenden. Zum einzigen Mal holte der Ostsee-Club 2004 die Meisterschaft. "Die Flensburger spüren wahrscheinlich auch den Druck, diesen Titel mal wieder holen zu müssen. Zumal es für viele Spieler der SG die letzte Chance sein wird: Mit Mattias Andersson und Thomas Mogensen verlassen zwei Stützen den Club nach dieser Runde, Kentin Mahé geht nach Veszprém. In Flensburg steht ein kleiner Umbruch an", glaubt Jacobsen, der dem Spiel an der Förde keine übergeordnete Bedeutung beimisst und lieber das große Ganze, den Marathon Richtung Meisterschaft sieht: "Entscheidend ist jedes einzelne Spiel, vor allem gegen die vermeintlich kleinen Gegner."

Gegen diese leistete sich sein Team in den vergangenen beiden Spielzeiten keinen (!) Ausrutscher, seriös erfüllte es seine Pflicht. Doch ganz ohne Kür, ohne wertvolle Siege und überragende Leistungen in den Toppartien, schafft man es nicht an die Spitze. Ein Sieg bei der SG würde dem Meister fraglos eine gute Ausgangssituation verschaffen - auch wenn es erst der dritte Spieltag ist.