Reise

Bodensee Gemütliche Motorrad-Runde durch Deutschland, Österreich und die Schweiz

„Schwäbisches Meer“ in Fülle „erfahren“

Archivartikel

„Wenn ich den See seh, brauch’ ich kein Meer mehr“, sagt Biker Rolf aus Stuttgart, der die Runde um den Bodensee mit seinem Motorrad jedes Jahr aufs Neue zelebriert.

Und in der Tat hat die Tour am Bodensee nicht nur schöne Strecken, sondern eine weite Sicht auf die Alpen und zahlreiche Sehenswürdigkeiten parat. Auch, wenn sie fahrerisch nicht unbedingt große Herausforderungen bietet und vielleicht nicht ausgerechnet im Juli oder August stattfinden sollte. Abseits der Hauptrouten locken kurvenreiche Strecken im Hinterland.

Start ist auf der Halbinsel Höri. Ein Duft nach Heu und Himbeeren begleitet die Motorradfahrer. Über dem Bodensee zeigt sich zum ersten Mal der Zeppelin. Geprägt durch kulturhistorische und landschaftliche Schönheiten erstreckt sich die Region westlicher Bodensee vom Hegau über den Untersee bis zur namentlich wohl bekanntesten Stadt am Bodensee: Konstanz. Vulkanfelsen, unberührte Landschaften und prähistorische Siedlungen markieren den Weg. In vielen Kurven geht es zunächst über den Schienerberg in die Schweiz und durch den Hegau nach Konstanz. Die quirlige Studentenstadt in historischem Ambiente hat viel Kultur zu bieten. Vom Konzil aus, das im 14. Jahrhundert als Lagerhaus errichtet wurde, hat man eine weite Sicht auf die Alpen und den Säntis. Schon ganz früh am nächsten Morgen führt die Tour auf die Insel Mainau. Um diese Uhrzeit kann man die atemberaubende Natur der Blumeninsel ganz in Ruhe genießen. Fundiert informiert die Führerin über die Besonderheiten der Mammutbäume und den Einsatz der gräflichen Familie für das Erlebnis Mainau.

Mit der Fähre setzt man über nach Meersburg, das sich über steile Rebhanglagen zieht. Die reizvolle Lage und romantische Winkel machen Meersburg zu einem besonderen Anziehungspunkt. Davon kündet schon die barocke Silhouette vom Wasser aus. Und noch ein einzigartiger Botschafter des Bodensees begegnet einem hier wieder: der Zeppelin.

Nicht weit von Meersburg warten die Pfahlbauten in Unteruhldingen darauf, entdeckt zu werden. Auf Stegen geht es über dem Wasser durch die Pfahlbaudörfer, immer mit großartigem Seepanorama. 3000 Jahre Geschichte lassen geschulte Guides hier lebendig werden. Seit 2011 gehören die Pfahlbauten rund um die Alpen zum Welterbe der Unesco. „Die archäologischen Funde im Schlamm unter Wasser im Sauerstoffabschluss eröffneten einzigartige Rekonstruktionsmöglichkeiten für das frühe Leben am See“, erläutert Direktor, Professor Dr. Gunter Schöbel, stilecht in Wassersandalen und Jacket, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten.

Zurück auf dem Motorrad führt die Tour weiter nach Lindau. Mittelalterlicher Charme, verbunden mit mediterranem Flair sind charakteristisch für die Altstadt auf der Halbinsel. Der beliebte Motorradtreff befindet sich am historischen Hafen. Die Hafeneinfahrt mit Leuchtturm und bayerischem Löwen ist das postkartengleiche Wahrzeichen im Dreiländereck Deutschland-Österreich-Schweiz. Im „Zitronengässle“ führt Michael Bode seine Gäste in die Geheimnisse von Käse und Wein ein.

Die Motorradtour führt nun weiter Richtung Österreich. Ein Erlebnis für Motorradfahrer ist die Pfänderstraße, die den Berg zumindest teilweise umrundet. Ganz auf den Gipfel, von dem man eine gigantische Aussicht auf den Bodensee genießt, gelangt man aber nur mit der Pfänderbahn oder zu Fuß. Bregenz bietet auf kleinem Raum nicht zuletzt mit seiner Festspielbühne Großes. Und mit Glück erlebt man einen unvergesslichen Sonnenuntergang vom Fischersteg aus.

Die Berge zum Greifen nah hat man bei der Weiterfahrt am südlichen Bodenseeufer Richtung Schweiz, wo sich in sanften Hügeln der Thurgau ausbreitet. Die Stiftung Kartause Ittingen, die zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Bodenseeregion gehört, ist ein klassisches Beispiel, an dem man nicht vorbeifahren sollte. Schweizer Beschaulichkeit gibt es gratis dazu. Übrigens ist der Kanton die Heimat der Weißweinsorte Müller-Thurgau. In gemütlichen „Buure-Beizen“ wird er serviert und das Zitat von Biker Rolf wird wieder lebendig: „Wenn ich den See seh, brauch’ ich kein Meer mehr.“

Info: Weitere Bilder unter www.fnweb.de im Internet.