Reise

Reise nach Südtirol Klettersteig Heini Holzer komplett mit Stahlseilen gesichert / Gigantische Aussicht über das Meraner Land

Mit Helm und Karabiner auf den Ifinger

Archivartikel

Klettern auf den Ifinger, den markanten Hausberg von Schenna in Südtirol, ist eine genussreiche Tour auf einem Klettersteig, der einem herrliche Aussichten über das Meraner Land beschert.

Fünf Jahre fuhr Bergsteiger Heini Holzer in den Wintermonaten fast täglich von Schenna nach Labers, um auf den Kleinen Ifinger zu schauen, ob es der richtige Tag sei, die Steilabfahrt zu wagen. Nach dem Tod des Extrem-Bergsteigers und Skifahrers Heini Holzer wurde schließlich die Idee geboren, einen Klettersteig in Schenna zu errichten. Als echter Bergsteiger erkundete er alle Steilwände, die er befuhr, im direkten Aufstieg und plante die einzelnen Abfahrten bis ins Detail.

"Er zählte zu den größten Bergsteigern seiner Zeit und wird von vielen auch als Vater der Steilwandabfahrten bezeichnet", erzählt Bergführer Walter Andrighetto auf dem Ifinger Schartlweg, der zum "Einstiegswandl" des Klettersteigs führt. Über 100 "Erstbefahrungen" gelangen dem "Feger", wie er auch genannt wurde. Eine der schwierigsten war die Abfahrt über die Südwest-Flanke des Kleinen Ifinger an der 55 Grad steilen und mit Felsriegeln durchsetzten Wand. 1977 verunglückte Holzer tödlich am 3937 Meter hohen Piz Rosegg in Graubünden. Im Mai letzten Jahres begannen die Bergführer mit den Arbeiten an der sonnenexponierten Flanke des Kleinen Ifingers und nach acht Wochen war der Klettersteig für die Erstbegehung realisiert. "Der herrliche Blick in die Südtiroler Bergwelt, die einzigartige Flora und das Gestein machen ihn zu einem besonderen Klettersteig", ist der Bergführer überzeugt.

Der Aufstieg über 550 Höhenmeter auf dem Klettersteig, der mit 1000 Metern Stahlseil perfekt gesichert ist, weist mittlere Schwierigkeitsgrade (A-B-B/C) auf. Deshalb ist er auch für Familien mit kletterfreudigen Kindern geeignet. "Fluchtwege" oder auch Wasser gibt es beim Aufstieg allerdings nicht. "Mit der richtigen Ausrüstung ist der Spaß doppelt so groß und das Risiko auf ein Minimum reduziert", weiß der Bergführer aber aus Erfahrung. Er kennt den Kleinen Ifinger schließlich wie seine Westentasche.

"Der Ifinger liegt direkt an der Periadriatischen Naht. Mit einer Gesamtlänge von 700 Kilometern ist sie die bedeutendste tektonische Störungslinie der Alpen, die in einem weiten Bogen ungefähr parallel zur Küstenlinie des Adriatischen Meeres verläuft", erklärt Walter Andrighetto die geologischen Besonderheiten.

Danach stellt der letzte Teil des Klettersteiges, die sogenannte Engelskante, doch eine beeindruckende und herausfordernde Felspassage dar. Schließlich geht es zum Gipfel des Kleinen Ifinger auf 2552 Metern, wo sich ein gigantischer Blick über das Meraner Land offenbart: Das Gipfelglück ist perfekt.