Recht und Soziales

Ratgeber Ein Mieter bricht eine abgesprochene Renovierung ab – Gerichte entscheiden über finanzielle Entschädigung für Vermieterin

Richter: Höhe des Schadens beweisen

Archivartikel

Karlsruhe.Bricht ein Mieter die Renovierung eines Hauses mitten in der Arbeit ab, kann der Vermieter Anspruch auf Schadenersatz haben. Alte und kaputte Tapeten können aber so viel an Wert verloren haben, dass nur ein geringer Schaden entstanden ist. Das berichtet die Zeitschrift „Das Grundeigentum“ des Eigentümerverbandes Haus & Grund Berlin (Nr. 19/2019). Sie verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Gerichte müssen deshalb auf das Alter und den Zustand der angeblich beschädigten Sache eingehen. Vermieter sind in der Beweispflicht.

Arbeiten eingestellt

Im verhandelten Fall hatte die Vermieterin dem Mieter erlaubt, das Haus zu renovieren. Dafür entfernte er einige Tapeten. Als der Mieter erfuhr, dass das Haus verkauft werden sollte, stellte er die Arbeiten ein. Später endete das Mietverhältnis, und der Mieter zog aus. Die Vermieterin klagte auf Schadenersatz. Das Landgericht sprach ihr in zweiter Instanz 80 Prozent der Kosten für die Neutapezierung der betroffenen Wände in ihrem Haus zu. Denn der Mieter habe in die Entscheidungsfreiheit der Vermieterin eingegriffen. Ohne den Teilabriss hätte sie die Wohnung nach Ansicht des Landgerichts entweder unrenoviert weitervermieten können oder sich mit dem späteren Nachmieter einfacher darauf einigen können, dass dieser die Renovierung übernimmt.

Den Bundesgerichtshof überzeugte das nicht: Zwar könne ein Schaden entstehen, wenn ein Mieter Tapeten entfernt, ohne neue anzubringen. Für die Höhe des Schadens sei aber der Zustand und das Alter der vorherigen Tapete wichtig. Darauf müsse das Gericht eingehen.

Tapete wertlos

Im verhandelten Fall war die Tapete laut Mieter rund 30 Jahre alt, mehrfach überstrichen und habe sich bereits teilweise gelöst. Sie sei deshalb wertlos gewesen. Als Klägerin musste die Vermieterin den Schaden und seine Höhe beweisen.

Den Ansatz von 80 Prozent der Kosten hielt der BGH deshalb für nicht nachvollziehbar. Damit sei der Wert einer völlig verschlissenen Dekoration fast mit dem Neuwert angesetzt worden. Das Landgericht muss nun erneut über die Schadenshöhe entscheiden. dpa