Ratgeber

Lastminute in den Urlaub? Worauf Sie dabei achten sollten

Archivartikel

Es ist in der Tourismusbranche ein fester Begriff. Doch viele Menschen wissen nicht, was genau sie zu erwarten haben. Urlaub „last minute“ zu buchen, kann schnell zum Abenteuer werden — in die eine oder andere Richtung. Wer flexibel Urlaub nehmen kann, darf sich theoretisch das ganze Jahr über in letzter Minute verabschieden. Für Familien sind die kommenden Osterferien in Baden-Württemberg ein willkommener Anlass für eine spontane Reise. Doch bieten sich solche Reisen für jeden an? Dass Lastminute nicht unbedingt günstig bedeutet, zeigt die Entwicklung auf dem Tourismusmarkt.

 

Wer die Nase voll hat, sucht gern das Weite

Regengüsse, Wolkenhimmel und trübe Stimmung: Das Wetter kann uns ganz schön aufs Gemüt schlagen. Das Mittelmeer und seine Inseln locken mit Sonnenstunden und Abwechslung. Wo Frühbucher sich noch eine Weile auf den lange ersehnten Urlaub freuen müssen, können Kurzentschlossene innerhalb weniger Tage für bessere Stimmung sorgen. Genauer gesagt, innerhalb der nächsten 14 Tage — so definiert der Deutsche Reiseverband Lastminute-Urlaub.

Die Idee, die für Reiseveranstalter ursprünglich dahintersteckte, war wirtschaftlich: Ungenutzte Kontingente sollten kurz vor Toressschluss noch den ein oder anderen Abnehmer finden. Es fing Mitte der 80er-Jahre mit Flügen an und erweiterte sich zu kompletten Urlaubsreisen. Eigentlich win-win für beide Seiten, denn der Reiseveranstalter konnte Verluste minimieren und der kurzfristig urlaubswillige Kunde Geld sparen.

Mittlerweile geht das Konzept nicht mehr auf. Zu viele Menschen taktierten plötzlich damit, lieber auf das günstige Lastminute-Angebot zu warten. Die Zahl der geplanten und früh gebuchten Urlaubsreisen nahm ab. Deshalb ist Lastminute heute nicht immer das, was viele erwarten würden: besonders günstig.

Wie sich attraktive Preise finden lassen und worauf es beim spontanen Urlaub ankommt, verraten wir hier.

 

Die richtige Recherche

 Ob ein Angebot sich wirklich lohnt, finden Sie durch Vergleiche heraus. Das verführerisch wirkende Lastminute-Schnäppchen könnte eine wahre Mogelpackung sein. In Zeiten der digitalen Vernetzung bietet die Online-Welt ideale Bedingungen, um das überprüfen. Über den Webauftritt von Reisebüros lassen sich die Angebote einer bestimmten Reise über verschiedene Veranstalter hinweg vergleichen. So fallen Preisunterschiede sofort ins Auge.

  

Täglich den Preis beobachten

Sieht der Preis auf den ersten Blick auch noch so gut aus, es lohnt sich ein täglicher Vergleich. Die Preisdynamik bei Reisen ist groß geworden. Vor allem bei Flügen wurden Bucher schon so manches Mal überrascht von täglich steigenden oder sinkenden Preisen. So ist es ratsam, über einige Tage hinweg die Entwicklung im Auge zu haben, um dann mit etwas Glück zuschlagen zu können.

 

Auch ein Vergleich mit dem ursprünglichen Katalogpreis gibt Aufschluss, ob es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt. Mitunter sind die Preise für ein vermeintliches Lastminute-Angebot im Vergleich zum vorher gültigen Betrag nicht gesunken, sondern gestiegen. Wer mit dem Gedanken an einen Urlaub in letzter Minute spielt, sollte zum wirklichen Sparerfolg schon früh den Markt beobachten.

 

Welche Leistungen sind enthalten?

In Deutschland herrscht Preisangabenpflicht bei Katalogpreisen. Es dürfen keine Lockvogelangebote sein, die dann im Endeffekt viel höher ausfallen. Dass eine Reise lastminute günstiger angeboten wird als zuvor, kann aber durchaus an einem veränderten Leistungspaket liegen. Streicht der Anbieter den Transfer von Hotel zu Flughafen oder reduziert die Verpflegung von Vollpension auf Halbpension, kann der Preis natürlich viel attraktiver werden. Wer sich flexibel in einen Kurzurlaub verabschieden möchte, muss genau lesen, worauf er sich einlässt.

 

Die Rahmenbedingungen prüfen

Wer Lastminute-Angebote bucht, findet oft ungünstigere Rahmenbedingungen vor. Die Absicherung einer Reise wird schwieriger. Kurzfristig gebuchte Reisen lassen sich normalerweise nicht mehr kostenfrei stornieren. Ab einigen Tagen vor Reiseantritt wird oft bis zu 100 Prozent eines Reisepreises fällig, wenn der Kunde den Urlaub absagt. Bei spontanen Reisen liegt bereits die Buchung mitten in dieser Zeit. Auch der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung ist oft nicht möglich, weil diese in ihrer herkömmlichen Version eine frühere Buchung erfordern. Manche Versicherungen bieten spezielle Lastminute-Tarife an. Diese sind jedoch preislich meist für Schnäppchenjäger nicht attraktiv, weil der Preis für die Reise im Endeffekt steigt.

Familien mit Kindern müssen von vorneherein mit höheren Kosten für einen Urlaub rechnen. Sie sind auf die Ferienzeit angewiesen, in der die Reiseveranstalter kalkuliert die Preise erhöhen. Bei Angeboten in letzter Minute geben Reiseveranstalter oft keine Ermäßigung für die Kinder, auch wenn sie normalerweise zum Repertoire gehört. Dadurch kann im Endeffekt der Gesamtpreis höher liegen als zu Frühbucherzeiten.

Wer sich auf diese veränderten Rahmenbedingungen für einen spontanen Urlaub einlassen kann, der mag mit Lastminute-Angeboten richtig liegen. Eine gewisse Risikobereitschaft gehört hier jedenfalls dazu.

 

 

 

Flexibilität ist Trumpf

Damit der Lastminute-Urlaub weiterhin zu einem Vergnügen wird, ist Flexibilität ein wichtiges Kriterium. Ein zusätzliches Problem für Familien mit Kindern. Sie benötigen meist eine längere Vorbereitungsphase und kommen ins Schleudern, wenn nur wenige Tage vor dem Reiseantritt liegen. Singles und Paare, die innerhalb von zwei Stunden von Winter- auf Sommerkleidung umgepackt haben, finden eher einen passenden Urlaubsort.

Der Preis bei Angeboten liegt häufig niedriger, wenn nicht so beliebte Destinationen oder unangenehme Flugzeiten ausgewählt werden. Einen Flug abends um elf Uhr oder früh morgens um sechs Uhr treten viele Menschen aus Prinzip nicht an. Genau hier liegt die Chance auf einen wirklich guten Preis für Schnäppchenjäger.

Zur Flexibilität zählt auch die Einstellung: Es darf nicht schlimm sein, wenn es nicht klappt. Sollten Sie den Lastminute-Trip als Sparmöglichkeit nutzen wollen, dürfen Sie sich nicht auf diesen Urlaub versteifen. Wenn die Recherchen kein passendes Angebot ergeben, ist es manchmal besser, einfach zu Hause zu bleiben und andere Freizeitmöglichkeiten zu nutzen.

 

 

Fazit — Lastminute hat seine Tücken

Den günstigen Schnäppchen-Urlaub, der einem in letzter Minute einfach in den Schoß fällt, gibt es nicht. Obwohl Lastminute eigentlich mit einem anderen Image behaftet ist, gehört zu wirklich preiswerten Angeboten ein gewisser Grad an Recherche. Neben den eigenen Ansprüchen muss die Flexibilität sich ein Stück weit anpassen. Unabhängige Menschen haben deshalb eine größere Chance, einen passenden Stimmungsaufheller zu finden. Bei Familien mit Kindern bietet sich eher an, die baldigen Osterferien auszusetzen und stattdessen Frühbucherrabatte für zukünftigen Urlaubsspaß zu nutzen.