Politik

Kontaktverbot Experten und Politik wollen in wenigen Wochen über eine Lockerung beraten / Merkel: Ist noch zu früh

Wie geht es nach den Osterferien weiter?

Berlin.Geschlossene Betriebe, verwaiste Innenstädte, leere Straßen. Wie lange lässt sich dieser Stillstand noch durchhalten, ohne massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Verwerfungen zu riskieren? Der Ruf nach einer Exit-Strategie wird lauter. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte jetzt Lockerungen der Corona bedingten Restriktionen nach Ostern in Aussicht.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) illustrierte den Ernst der Lage am Donnerstag mit eigenen Berechnungen: Sollten die Einschränkungen noch bis Ende April anhalten, würde das Wachstum in Deutschland um rund fünf Prozent schrumpfen. Ein Stillstand bis Ende Juni hätte ein Minus von zehn Prozent zur Folge. Zwar hat die Bundesregierung ein Mega-Hilfsprogramm aufgelegt. Doch müssten größere Betriebe dabei Schulden in Kauf nehmen, was wiederum künftige Investitionen verhindert.

RKI: Stehen erst am Anfang

Angesichts solcher Schreckens-Szenarien hält auch der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Sebastian Dullien, eine baldige Lockerung der Auflagen für geboten. „Während viele Unternehmen den Shutdown von einigen Wochen noch überstehen können, dürfte die Zahl der Pleiten mit längerer Dauer steigen“, sagte der Ökonom dieser Redaktion. „Das dürften wir bereits sehen, falls die Schließungen über die Osterferien hinaus fortgesetzt werden.“

Die Osterfeiertage in zwei Wochen sind offenbar auch für Spahn ein Schlüsseldatum. In einem Interview für „Die Zeit“ kündigte er an, „bis spätestens Ostern“ ein Konzept zum schrittweisen Ausstieg aus dem Krisenmodus zu erarbeiten. Nach seinen Vorstellungen soll es dabei auch um einen Verzicht der vom Corona-Virus besonders bedrohten Älteren zugunsten der Jüngeren gehen. Wenn man Ältere und chronisch Kranke schütze, „können wir gleichzeitig an anderen Stellen wieder normales Alltagsleben ermöglichen“, sagte Spahn. Und weiter: „Wir werden die Älteren also möglicherweise über mehrere Monate bitten müssen, ihre Kontakte stark einzuschränken und im Zweifel zu Hause zu bleiben.“

Freilich ist das sehr problematisch. So warnte zum Beispiel die Grünen-Politikerin Renate Künast: „Knapp 18 Millionen Menschen kann man nicht kasernieren, ohne Kontakte zu Jüngeren zu haben.“

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht jedenfalls keinerlei Entwarnung. „Wir stehen gerade am Anfang, die Epidemie zu bekämpfen“, erklärte er am Donnerstag. Auch Spahn räumte ein, dass man es zum jetzigen Zeitpunkt noch mit der „Ruhe vor dem Sturm“ zu tun habe. Trotzdem stellte er eine Lockerung der Einschränkungen in Aussicht: „Wir können dann nach Ostern möglicherweise über eine Veränderung reden, wenn wir bis Ostern alle miteinander konsequent sind.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht noch keinen Grund, über eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu sprechen. „Es kann noch nicht der Zeitpunkt sein“, sagte sie am Donnerstag. Im Moment dauere es immer noch nur vier bis fünf Tage, bis sich die Infektionen verdoppeln. Diese Zeitspanne müsse sehr viel weiter gestreckt werden. Deswegen müsse sie die Menschen in Deutschland um Geduld bitten. (mit dpa)

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