Politik

Kolumbien Der Umgang mit Farc-Rebellen und die Zukunft des Friedensabkommens spalten das südamerikanische Land

Wahlen in Zeiten nach dem Terror

Archivartikel

Bogotá.In Timba im Südwesten Kolumbiens ist der Frieden noch nicht angekommen. Vor einem guten Jahr haben die linken Farc-Rebellen ihre Waffen niedergelegt, doch jetzt treiben andere bewaffnete Gruppen in der Region ihr Unwesen. „Wir haben in der Nähe von Timba Leichen gefunden“, erzählt Fabriciano García Conda, ein Anführer der indigenen Gruppe der Nasa.

Im Westen des Reservats sind abtrünnige Farc-Kämpfer unterwegs. Der Osten wird von der Bande Los Pelusos kontrolliert. Und im Norden hat sich das derzeit mächtigste Verbrechersyndikat des südamerikanischen Landes – der Golf-Clan – festgesetzt. Auch gut eineinhalb Jahre nach dem historischen Abkommen der Regierung mit der Farc-Guerilla ist Kolumbien noch lange nicht befriedet. Trotzdem hat sich die Sicherheitslage deutlich verbessert. Weite Teile des Landes sind wieder frei zugänglich, heftige militärische Auseinandersetzungen wie zu Zeiten des Bürgerkriegs gehören der Vergangenheit an. Dennoch steht bei der Präsidentenwahl morgen der Friedensprozess auf dem Spiel. Der Favorit Iván Duque von der rechtsgerichteten Partei Centro Democrático will das Abkommen mit den Farc-Rebellen in wesentlichen Punkten ändern.

Debatte über Bestrafung

Den Gegnern des Vertrags sind vor allem die relativ milden Strafen für die Ex-Kämpfer und die für zwei Wahlperioden garantierten Parlamentssitze der Farc-Partei ein Dorn im Auge. „Die Übergangsjustiz darf nicht zu Straflosigkeit führen“, sagt Duque. Das Friedensabkommen hat das Land tief gespalten. Schon bei der Volksabstimmung vor knapp zwei Jahren stimmte etwa die Hälfte für den Vertrag und die Hälfte dagegen. Der scheidende Präsident Juan Manuel Santos will sein Lebenswerk schützen. „Wir glauben, dass das Abkommen nicht geändert werden kann“, sagte der Friedensnobelpreisträger kürzlich.

Neben dem Streit um das Farc-Abkommen dürften die Friedensverhandlungen mit der kleineren Rebellengruppe ELN, der Umgang mit den Hundertausenden Migranten aus dem Nachbarland Venezuela, der Kampf gegen den Drogenhandel und die Entwicklung ländlicher Gebiete im Mittelpunkt der Wahl stehen. Da wahrscheinlich keiner in der ersten Runde über 50 Prozent der Stimmen erhalten wird, deutet alles auf eine Stichwahl hin. Dann wird der rechtskonservative Senator Duque entweder auf den linken Ex-Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá, Gustavo Petro, oder auf Santos’ früheren Vizepräsidenten Germán Vargas Lleras treffen. Beide wollen an dem Friedensabkommen grundsätzlich festhalten.