Politik

Meinung Nach dem Hacker-Angriff eines 20-jährigen Schülers aus Hessen wird der Ruf nach schärferen Gesetzen laut

Soll Datenschutz strenger reguliert sein?

Ein 20 Jahre alter Schüler aus Hessen soll in den vergangenen Tagen für einen Datenskandal gesorgt haben. Nach seinem mutmaßlichen Hacker-Angriff stellte er teils sehr private Informationen von Prominenten und Politikern ins Internet. Durch die aktuellen Vorgänge hat die Debatte um die Rolle des Datenschutzes noch einmal Fahrt aufgenommen. Muss der Staat strengere Regeln aufstellen?

PRO: Von unserem Redaktionsmitglied Joana Rettig

Es ist naiv, zu sagen: In der Datensicherheit ist jeder seines Glückes Schmied. Klar: Man muss auf seine Daten achten – analog und digital. Aber welche Daten nach welchem Klick von wem gespeichert und weitergereicht werden – das weiß der Internet-Nutzer meist nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick.

Bisher hat man die Wahl: Daten preisgeben oder in der Stadt einkaufen. Von Google beobachtet werden oder ein anderes Handy ohne Android-Betriebssystem kaufen. Digitale Nacktheit akzeptieren oder analog leben. Sollen diejenigen, die ihre Daten für sich behalten wollen, die digitale Welt verlassen? Nein, der Staat sollte sie schützen! Datenschutz ist europäisches Grundrecht (Artikel 8 EU-Grundrechtecharta). Wenn man sich durch zig Seiten Behörden-Sprech wühlen muss, um zu erfahren, was mit den Daten passiert, ist das ein Versäumnis der Politik. Lächerlich zu glauben, jeder verstünde solchen juristischen Kauderwelsch.

Ein 20-Jähriger konnte Unmengen an Daten stehlen und kaufen. Der Skandal zeigt, wie wenig für den Schutz getan wird – von der Politik. Der Staat muss die Unternehmen in die Mangel nehmen. So viele Daten wie bisher braucht der Online-Händler nicht. Auch muss man prominenter und verständlicher über die Datennutzung informiert werden. Außerdem: härtere Strafen für Daten-Diebe. Damit auch der spätpubertäre Schüler versteht, dass so ein Streich eine schwere Straftat ist.

KONTRA: Von unserem Redaktionsmitglied Stefanie Ball

Es ist der übliche Reflex: Es geschieht ein Unglück, und als Reaktion darauf wird eine Verschärfung der Gesetze gefordert. Doch ein Übel lässt sich nicht allein durch längere Gefängnisstrafen für den Übeltäter bekämpfen. Das mag als Abschreckung wirken, zu einer langfristigen Problemlösung gehört aber Ursachenforschung. Und die Ursache sind im Falle des Datenklaus im Internet unter anderem die Betroffenen selbst.

Es mag banal (und weltfremd) klingen, aber der beste Schutz gegen Datenklau ist, sich von der virtuellen Welt möglichst fernzuhalten. Wer bei Facebook, Twitter, Instagram postet, liked und Fotos hochlädt, wer online bezahlt und Punkte sammelt, muss damit rechnen, dass die dabei (legal) gespeicherten Informationen in nicht dafür bestimmte Hände gelangen. In der realen Welt ist auch jedem bewusst, dass er Opfer eines Diebstahls werden kann. Wer sein teures Fahrrad am Bahnhof unabgeschlossen stehen lässt, kann nicht davon ausgehen, dass es am nächsten Tag noch da ist. Das Gleiche gilt für Daten: Auch sie sind wertvoll und müssen geschützt werden. Gelegenheit macht Diebe – das Sprichwort soll keine Entschuldigung für den Dieb sein, sondern eine Mahnung an den Bestohlenen. Das gilt auch fürs World Wide Web: Wer dort unterwegs ist, muss sich überlegen, wo er Spuren hinterlässt, was er kommentiert und wie er sensible Daten mit virtuellen Schlössern versieht. Dazu bedarf es keiner neuen Gesetze.