Politik

Zwischenbilanz Am Sonntag ist die Saarländerin seit 100 Tagen CDU-Vorsitzende – Konkurrenten bleiben auf der Strecke

So schlägt sich Kramp-Karrenbauer

Berlin.Vor 100 Tagen war es knapp. Mit rund 52 Prozent der Stimmen setzte sich Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag in Hamburg im zweiten Wahlgang gegen Friedrich Merz durch. Seitdem ist sie Parteivorsitzende. Eine Bilanz.

Auftreten

„Es Annegret“, wie die Frau im heimischen Saarland genannt wird, ist sich auch in Berlin treu geblieben. Parteifreunde betonen, sie sei sehr „nahbar“. AKK redet mit allen und hört zu. Als Zeichen der Kollegialität zog sie im Konrad-Adenauer-Haus nicht ins Büro der Vorsitzenden, sondern blieb eine Etage darunter, gleich neben dem Büro ihres „Generals“ Paul Ziemiak. Noch gibt es kaum Klagen über sie, stattdessen genießt die Chefin Anerkennung in allen Lagern der CDU.

Reden

Sie hat sich mächtig gesteigert. Schon auf dem Parteitag in Hamburg hielt sie die beste Rede. Und voll des Lobes waren Beobachter für ihren Auftritt beim politischen Aschermittwoch in Demmin – wo sie den Kritikern wegen ihres Karnevalsscherzes über das dritte Geschlecht scharf entgegentrat.

Pannen

Ob der Karnevalsscherz ihr geschadet hat? Eher nicht. Allerdings wurde in Berlin hitzig darüber debattiert. Kramp-Karrenbauer hat sich gewehrt. Das kam vielfach gut an in der Partei, wohl auch bei vielen Bürgern. Denn sie hat das verbreitete Gefühl aufgegriffen, dass bei manchen Debatten die Verhältnismäßigkeit nicht mehr stimmt.

Partei

Mit dem „Werkstattgespräch“ zur Flüchtlingspolitik 2015 und ihrer Äußerung, Zurückweisungen an der Grenze seien die „Ultima Ratio“, hat sie die Gräben in der Union verkleinert. Im Moment schießt lediglich die Werteunion quer, die aber in der CDU keine Rolle spielt. AKK ist Meisterin der Charmeattacken. In den ersten 100 Tagen hat sie fast alle Gruppen besucht, die gegen sie waren. So baut man seine Macht aus.

Konkurrenten

Sie hat keine mehr. Im Moment jedenfalls. Selbst CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble, Fan von Friedrich Merz, äußert sich inzwischen anerkennend. Mit Merz hält sie Kontakt, sie bindet ihn ein, wo er sich einbinden lässt. Jens Spahn ist zurück ins Glied getreten. Viele von denen, die für Merz oder Spahn waren, sind ins AKK-Lager gewechselt.

Strategie

Kramp-Karrenbauer fährt eine Doppelstrategie: Sie grenzt sich von Merkel ab und gibt sich konservativ. Anderseits präsentiert sie sich sozial, um Merkels Anhänger nicht zu verärgern und die Union anschlussfähig in alle Richtungen zu halten.

Ziel

Das Ziel ist eindeutig die Kanzlerschaft. Das ist in den ersten 100 Tagen deutlich geworden. Sie hat auf den flammenden Pro-Europa-Appell des französischen Präsidenten Macron geantwortet, nicht die Kanzlerin. Schritt für Schritt übernimmt AKK das Ruder von Merkel. In enger Abstimmung mit ihr. Geht das so weiter, wird sie vermutlich eines Tages selbst im Kanzleramt sitzen. Nur wann genau, weiß noch keiner.

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