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Corona 100 Tage Warn-App – Robert Koch-Institut und SAP ziehen Bilanz / Bisher rund 15 Millionen Nutzer

Nur jeder Fünfte macht mit

Archivartikel

Berlin.Zum Start der Corona-Warn-App vor 100 Tagen hatte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) die Latte sehr hoch gelegt. „Das ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird. Aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die Beste“, sagte der promovierte Mediziner damals. „Sie herunterzuladen und zu nutzen, das ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung.“

Inzwischen kann sich die Corona-Warn-App noch mit einem weiteren Superlativ schmücken: In keinem anderen westlichen Land wurde eine vergleichbare Anwendung so häufig heruntergeladen wie die Anwendung des Robert Koch-Instituts. Diese Zweifel werden auch durch technische Unzulänglichkeiten genährt.

Die Bundesregierung sowie Entwickler der Anwendung, SAP und Deutsche Telekom, ziehen trotzdem eine positive Bilanz nach 100 Tagen: Die Download-Zahlen seien ein „Vertrauensbeweis der Bevölkerung“. Die App erfasst mit Hilfe von Bluetooth-Signalen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Bluetooth wurde allerdings nie für diese Aufgabe entwickelt. Daher müssen die Macher der App mit Werten kalkulieren, die oft nicht genau sind.

Die Kontakt-Ermittlung via Bluetooth ist aber nicht die einzige Funktion der App. Die Anwendung berechnet auch das Risiko, das sich aus der Gesamtzeit aller Risikobegegnungen der vergangenen 14 Tage ergibt. Außerdem kann sie Testergebnisse digital empfangen, schneller als auf herkömmlichen analogen Wegen. Wenn die App in einem roten Feld ein „erhöhtes Risiko“ anzeigt, erhalten die Betroffenen die Empfehlung, sich nach Hause zu begeben beziehungsweise zu Hause zu bleiben sowie mit ihrem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen.

Nicht immer zuverlässig

Im Laufe der ersten 100 Tage hat diese Risikobewertung nicht immer zuverlässig funktioniert. So kam heraus, dass die App auf dem iPhone zeitweise Aussetzer hatte. Dadurch wurden manche Nutzer nicht oder zu spät gewarnt. Nach mehreren Anläufen wurde dieser Fehler in Zusammenarbeit mit dem iPhone-Hersteller behoben. Hoffnungen, dass Apple künftig auch ältere Modelle wie das iPhone 6 unterstützen wird, wurden am Mittwoch allerdings enttäuscht. Der US-Konzern wolle die technischen Schnittstellen nicht auf ältere Modelle erweitern, erklärte SAP-Technikchef Jürgen Müller.

Dass die App nicht auf allen Smartphones laufen kann, ist aber nur ein Grund, warum sie weit davon entfernt ist, die Bevölkerung flächendeckend zu warnen. In Umfragen sagen regelmäßig rund 50 Prozent der Menschen in Deutschland, dass sie keine Warn-App installieren möchten. Die App wurde nach Angaben des RKI inzwischen 18,4 Millionen Mal heruntergeladen. Da manche Anwender die App auch wieder deinstalliert oder die Bluetooth-Signale abgestellt haben, fällt die Zahl der aktiven Benutzer niedriger aus. Experten schätzen, dass 15 Millionen Menschen in Deutschland die Anwendung aktiv nutzen.

Etwas über sechs Prozent erfasst

Gert G. Wagner, Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen beim Bundesjustizministerium, macht folgende Rechnung auf: Wenn 25 Prozent der Erwachsenen die App heruntergeladen und tatsächlich aktiviert haben, dann werde von denen auch nur ein Viertel der Kontakte informiert, die unter Umständen infektiös sind. „Daher muss man 0,25 mit 0,25 multiplizieren, das ergibt 0,0625. Das bedeutet, es wird ein wenig über sechs Prozent der Fälle überhaupt erfasst.“ Um auf einen Wert von 50 Prozent erfasster Fälle zu kommen, müssten mehr als 70 Prozent der Erwachsenen die Corona-Warn-App verwenden.

Am Mittwoch rief die Bundesregierung dazu auf, die App auch mit Blick auf den Herbst und Winter intensiver einzusetzen. „Bitte nutzen Sie dieses Werkzeug in der Pandemie“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dazu gehöre, bei einem eigenen positiven Testergebnis auch, seine Kontakte darüber zu informieren. Bisher passiere dies nur in etwa der Hälfte der Fälle. Insgesamt hätten fast 5000 Nutzer eigene Kontakte auf diese Weise gewarnt, erläuterte Spahn. 

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