Politik

Nadja Alber

Archivartikel

„Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Würde sich die Politik tatsächlich an das Grundgesetz halten, wäre die Begehung des Internationalen Frauentages in Deutschland „nur“ ein Zeichen der Solidarität mit den Frauen weltweit. Seit mehr als 100 Jahren fordern sie an diesem Tag Gleichberechtigung und prangern die nach wie vor herrschende Gewalt gegen Frauen an. In Deutschland sind Frauen vor allem im Arbeitsleben im Vergleich zu Männern nach wie vor benachteiligt. Deswegen fand am 18.3.2019 der Equal Pay Day statt. Zwar geht es in erster Linie darum, dass die Löhne der Frauen weiterhin deutlich unter denen ihrer männlichen Kollegen liegen – und zwar auch dann, wenn sie gleichwertige Tätigkeiten ausüben. Gleichzeitig sollte nicht nur an diesem Tag auch immer wieder die Frage gestellt werden: Was ist mit der Benachteiligung von Frauen durch den Staat?

Seit mehr als einem Jahrzehnt fordern Politik und Wirtschaft, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und mehr qualifizierte Frauen in den Beruf zurückzuholen. Dieses Ziel vor Augen wurden zahlreiche Maßnahmen eingeführt, wie Elterngeld, Partnermonate, ElterngeldPlus, stark erhöhtes Angebot an Kitaplätzen. Nicht berücksichtigt wurde, dass eine Doppelerwerbstätigkeit von Paaren zwar auch ein erhöhtes (eher selten doppeltes) Brutto-Einkommen für die Familie, aber leider neben der daraus resultierenden Doppelbelastung kein linear steigendes Nettoeinkommen generiert. Jeden Tag (oder wenn man es ganz genau nimmt: Jedes Jahr zum 31.12.) hält sich unser Staat nicht an sein Grundgesetz: Er tritt die Rechte von verheirateten, berufstätigen Frauen mit Füßen. Wie anders kann man sonst das Ehegattensplitting nennen?

Nadja Alber ist diplomierte Wirtschaftsjuristin. Sie hat sich als Unternehmensberaterin in Karlsruhe auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie spezialisiert.