Politik

CDU-Vorsitz Bewerber trifft sich mit jungen Abgeordneten / Initiative geht vom Mannheimer Parlamentarier Löbel aus

„Merz hat auch mich gepackt“

Berlin/Mannheim.Der Kampf um den CDU-Parteivorsitz – und damit auch eine mögliche Kanzlerschaft – ist voll entbrannt: Kurz nachdem die bisherige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Positionen in einer Pressekonferenz dargelegt hat, beschreitet ihr Konkurrent Friedrich Merz einen ungewöhnlichen Weg. Gestern Morgen traf er sich mit jungen Abgeordneten, die erst in den vergangenen Jahren in den Bundestag eingezogen sind. Die Initiative für das Treffen ging nach eigenen Angaben von dem Mannheimer Parlamentarier und früheren baden-württembergischen Vorsitzenden der Jungen Union, Nikolas Löbel, aus. Danach haben fast 60 Unionsabgeordnete an dem Treffen außerhalb des Reichstags teilgenommen.

„Der demokratische Wettstreit belebt die Partei“, sagt Löbel. „Und wir haben drei gute Kandidaten für den Parteivorsitz.“ Jens Spahn sei für ihn als Gesundheitsminister das profilierteste Mitglied der Bundesregierung, aber nach dem Treffen gestern müsse er einräumen: „ Friedrich Merz hat auch mich gepackt.“ Er elektrisiere Mitglieder und Anhänger gleichermaßen.

Löbel wie auch viele andere Teilnehmer an dem Treffen kannten den ehemaligen Unionsfraktionschef im Bundestag (2000-2002) bisher nicht persönlich. Das habe er auch unter Abgeordnetenkollegen so kommuniziert, was Merz mitbekommen und ihm vorgeschlagen habe: „Wenn Sie mich kennenlernen wollen, können wir uns gern treffen.“ Auf diese Weise sei der Gedankenaustausch zustande gekommen. Und die Teilnehmerzahl zeige, dass „ein großes Interesse an der Person von Friedrich Merz“ vorhanden sei.

Es seien auch kritische Fragen gestellt worden, etwa nach der Zusammenarbeit mit Kanzlerin Angela Merkel. Dazu habe Merz klar gesagt: „Erst das Land, dann die Partei.“ Würde er gewählt, hätten Merkel und er eine gemeinsame staatspolitische Verantwortung. Merz’ Ziel sei es, die CDU innerhalb von zwei Jahren zur modernsten Partei Deutschlands zu machen. Das gelte auch für Themen, die man bei ihm so nicht erwartet hätte – etwa die Familienpolitik.

Noch ist für Löbel das Rennen völlig offen. Alle drei Kandidaten seien profiliert, für Merz sprächen aber die politische Erfahrung und das „notwendige Charisma, um wieder Orientierung zu bieten“. Die Erwartungshaltung der Bürger ändere sich gerade, ein Kompromiss um des Kompromisses willen sei nicht gefragt, sondern eine klare Linie, wofür jemand stehe. Löbel: „Ich glaube, das kann Friedrich Merz am besten.“

Umfrage erwartet Zweikampf

Einer aktuellen Umfrage von Kantar Emnid für die Funke Mediengruppe zufolge sieht es allerdings mehr nach einem Zweikampf aus. Demnach würden etwa gleich viele Deutsche Merz und Kramp-Karrenbauer eine erfolgreiche Kanzlerschaft zutrauen. 36 Prozent könnten sich am ehesten Merz als Bundeskanzler vorstellen, knapp dahinter liegt Kramp-Karrenbauer mit 33 Prozent. Gegen die beiden Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der Partei sprachen sich jedoch noch mehr Befragte aus. 46 Prozent lehnen Merz im Kanzleramt ab, bei Kramp-Karrenbauer sind es 48 Prozent.

Der dritte Bewerber um den CDU-Vorsitz, Gesundheitsminister Jens Spahn, schneidet deutlich schlechter ab: Nur 17 Prozent glauben, dass Spahn ein guter Kanzler wäre, 65 Prozent sind der gegenteiligen Meinung.