Politik

Bildung II Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg rät zu praktischen Übungen

„Lernstoff muss alltagsrelevant sein“

Archivartikel

Heidelberg.Wenn sich Heranwachsende mit Wirtschaft beschäftigen, dann am besten so wenig wie möglich aus Büchern. Stattdessen könnten sie beispielsweise den Schulkiosk leiten, sagt Monika Buhl, Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg.

Frau Buhl, brauchen wir ein eigenständiges Fach Wirtschaft?

Monika Buhl: Aus meiner Sicht ergibt es wenig Sinn, das Fächertableau noch weiter zu differenzieren. Zum Beispiel ist ja schon Informatik dazugekommen. Ein neues Fach Wirtschaft gäbe es nur in einzelnen Jahrgängen, und irgendwie müsste es auch in der Stundentafel untergebracht werden – vermutlich mit einem relativ geringen Stundenanteil. Das Wissen über Wirtschaft würde dadurch meines Erachtens nicht enorm steigen.

Was finden Sie besser?

Buhl: Lernen soll vernetzt sein, Kinder sollen auch in größeren Zusammenhängen denken. Von daher halte ich einen Querschnitt – wie schon jetzt an vielen Schulen – für die bessere Lösung. Schließlich kommen wirtschaftliche Fragen in Geschichte, Politik, Geografie, Natur- und Sprachwissenschaften vor. Zudem wird bei der beruflichen Orientierung über wirtschaftliche Fragen gesprochen.

Welche Voraussetzungen muss der Lehrplan erfüllen?

Buhl: Der Stoff muss so praktisch wie möglich und alltagsrelevant sein, er muss eine Rolle im Leben der Jugendlichen spielen.

Also keine Grundzüge der Makroökonomik . . .

Buhl: Genau. Einige Schulen entwickeln in Arbeitsgemeinschaften Schülerfirmen. Jugendliche betreiben etwa den Kiosk, dabei lernen sie etwas über Umsatz und Gewinn. Oder Schüler organisieren eine Klassenfahrt, rechnen hinterher die Kosten ab – und planen schon im Vorfeld Aktivitäten, um die Klassenkasse aufzubessern. Nähe zum Alltag ist am nachhaltigsten, das schärft die Erkenntnis. Wenn nur Theoretisches auswendig gelernt werden muss, interessiert das wenig. Heranwachsende könnten zum Beispiel auch ein Unternehmen besuchen und die Chefin befragen. Oder ein Manager kommt in eine Klasse und berichtet von seiner Arbeit.

Es gibt Bedenken, dass Unternehmen zu viel Werbung machen oder den Lehrplan in ihrem Sinne beeinflussen könnten.

Buhl: Das muss natürlich gut abgesprochen sein. Die Wirtschaftsvertreter dürfen nicht alleine auf die Kinder losgelassen werden.

Sind denn überhaupt genügend Lehrkräfte da, die wirtschaftliche Bildung vermitteln können?

Buhl: In Baden-Württemberg werden vergleichsweise viele Wirtschaftspädagogen ausgebildet, auch in Mannheim. Das sind allerdings Lehrkräfte für berufliche Schulen. Ob diese an allgemeinbildenden Schulen zum Einsatz kommen, ist eine Frage der Durchlässigkeit.