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Bildung Bund und Länder wollen Schulen für die Pandemie besser rüsten / Verbände kritisieren Beschlüsse

Kommt jetzt der Digitalschub?

Archivartikel

Berlin.Bildungsgewerkschaften und Elternvertreter haben die Ergebnisse des Schultreffens bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend als zu dürftig kritisiert. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bezeichnete die Gespräche dagegen am Dienstag als „wegweisend“. An dem Treffen hatten neben Kanzlerin Merkel, Bundesbildungsministerin Karliczek, Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister von 14 Bundesländern teilgenommen. Die Runde verabredete, bereits geplante Vorhaben zur Digitalisierung nun zügig umzusetzen, damit es im Falle regionaler Schließungen wegen Corona mit dem Fernunterricht besser klappt. Flächendeckende Schließungen soll es nicht geben.

Besser als im März?

Der Bund engagiere sich so stark wie noch nie, sagte Karliczek mit Verweis auf Mittel, die Berlin den Ländern für Lehrerlaptops, Leihgeräten für bedürftige Schüler und für die Ausbildung und Einstellung von IT-Administratoren bereitstellt. Der große Wurf sei ausgeblieben, kritisierte dagegen der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Stephan Wassmuth, der Vorsitzende des Bundeselternrats, nannte das Treffen eine Enttäuschung und warnte: „Wenn es wegen der Corona-Pandemie wieder zu Schulschließungen kommt, wird wenig besser laufen als im März.“

Lehrer-Laptops: Die Anschaffung war bereits vereinbart. Beim Treffen im Kanzleramt erklärte sich der Bund nun bereit, zügig 500 Millionen Euro für die Dienstgeräte vorzuschießen. Ursprünglich sollte das Vorhaben aus dem EU-Corona-Aufbaufonds finanziert werden. Den gibt es aber noch gar nicht, deswegen geht der Bund zunächst in Vorleistung. Ziel ist es, noch in diesem Jahr, Hunderttausende Lehrer auszustatten. Verantwortlich für die Anschaffung und Ausgabe sollen Schulen und Schulträger sein.

Schul-Administratoren: Wenn Schulen und Lehrer technisch aufgerüstet werden, muss sich auch jemand um die Technik kümmern. Der Bund bekräftigte, was ebenfalls schon vereinbart ist, dass er hierfür 500 Millionen Euro bereitstellen wird. Zwei Möglichkeiten sind angedacht: Entweder stellen die Schulen eine Art „IT-Hausmeister“ ein oder beauftragen Firmen damit.

Schüler-Flatrate: Hier berichteten die Teilnehmer des Schulgipfels von Fortschritten. Es habe Gespräche mit Telekommunikationsanbietern gegeben, die nun eine günstige Flatrate anbieten wollten. „Die zehn Euro pro Monat sind gesetzt“, sagte die Bundesbildungsministerin am Dienstag. Für Schüler aus Familien mit geringem Einkommen soll die Monatsgebühr vom Staat übernommen werden.

Schulschließungen: Bei diesem Thema wurde Karliczek nach dem Schultreffen deutlich: „Eine weitere flächendeckende Schulschließung kommt nicht infrage“, sagte sie. Wichtig sei, dass regional das Infektionsgeschehen im Griff behalten werde. In mehreren Bundesländern sind seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen Schulen bereits vorübergehend wieder geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt worden.

Weitere Baustellen: Damit der Schulbetrieb in der kalten Jahreszeit weiterlaufen kann, fordern Lehrervertreter und Bildungsgewerkschaften Maßnahmen für Frischluft, um Ansteckungen durch sogenannte Aerosole – kleine Schwebeteilchen – zu verhindern. Der Lehrerverband bemängelt, dass sich viele Fenster in Schulen nur spaltweise öffnen ließen und fordert Lüftungsanlagen und CO2-Messgeräte, die anzeigen, wann gelüftet werden muss. Für diesen Mittwoch hat die Kultusministerkonferenz der Länder eine Expertenanhörung geplant, um darüber „auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise beraten zu können“, wie die KMK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte. 

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