Politik

Politbarometer Extra CDU könnte der SPD bei der Landtagswahl noch das Amt des Ministerpräsidenten abjagen

Knappes Rennen in Potsdam

Archivartikel

Mannheim.Die AfD dürfte auch bei den zwei Landtagswahlen am 1. September in Sachsen und Brandenburg ihren Höhenflug fortsetzen. CDU und SPD müssen dagegen im Vergleich zu den Abstimmungen vor fünf Jahren mit teilweise dramatischen Verlusten rechnen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfragen der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.

Sachsen:

In ihrem Politbarometer Extra hat die Forschungsgruppe auf Sachsen bezogen eine Trendwende festgestellt. Die CDU kann demnach ihren Niedergang stoppen und liegt jetzt mit sechs Punkten Abstand klar vor der AfD. Wahlforscher Matthias Jung erklärt dies mit dem harten Abgrenzungskurs, den Ministerpräsident Michael Kretschmer inzwischen eingeschlagen hat. In dem Bundesland gab es zuvor eine heftige Debatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD. „Kretschmer hat da ein klares Zeichen gesetzt, das zahlt sich jetzt aus“, sagt Jung. In dem Bundesland gibt es nach seinen Worten eine „starke Polarisierung zwischen CDU und AfD. Alle andere Parteien spielen keine Rolle“. Dass die CDU ihren Vorsprung noch verliert, hält er für „extrem unwahrscheinlich.“

Kretschmer kann auch seinen Amtsbonus voll ausspielen. „Er ist sehr populär in der Bevölkerung. Mit einem Wert von 2,4 steht er auf der Plus-fünf-minus-fünf-Skala ähnlich gut da wie seine Vorgänger Stanislaw Tillich oder Georg Milbradt“, analysiert Jung. Grund dafür sei die breite Anerkennung über die politischen Lager hinweg. SPD-Herausforderer Martin Dulig kommt immerhin auf einen respektablen Wert von 1,7.

Eine Wechselstimmung im Land lässt sich jedenfalls anhand der Zahlen nicht ablesen. Zwar kann die aktuelle schwarz-rote Landesregierung die Bürger nur bedingt überzeugen, sie wird aber besser bewertet als alle Oppositionsparteien. 65 Prozent der Befragten wollten, dass Kretschmer im Amt bleibt. 64 Prozent fänden es gut, wenn die CDU an der Regierung bleiben wird, beim Juniorpartner SPD sind es 42 Prozent. Weil die AfD im Vergleich zu 2014 so stark geworden ist, kann eine künftige Koalition nur aus einem Dreier-Bündnis bestehen.

Brandenburg:

In dem Bundesland ist die Ausgangslage auf Basis der Umfrage der Forschungsgruppe ziemlich unübersichtlich. Die SPD liegt nur knapp vor der AfD, dahinter lauert die CDU. Deshalb ist der Ausgang der Landtagswahl in Brandenburg völlig offen. Das liegt vielleicht auch daran, dass Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nur einen durchschnittlichen Imagewert (1,6) erzielt. Vor fünf Jahren waren es noch 2,3. „Von einem richtigen Amtsbonus kann bei Woidke deshalb keine Rede sein“, sagt Jung. Zwar dürfte eine Regierungsbildung nicht ohne die SPD möglich sein, dass sie wieder den Ministerpräsidenten stellen wird, ist dagegen nicht sicher. Am Ende könnte ihr die CDU diesen Posten abjagen. Bisher war die SPD seit 1990 bei jeder Landtagswahl die stärkste Kraft, im Vergleich zu 2014 drohen ihr jetzt massive Verluste mit derzeit 21 Prozent. Das wäre ein politischer Erdrutsch. Eine Fortsetzung von Rot-Rot ist jedenfalls nicht mehr möglich, denn auch die Linke muss mit weiteren Verlusten rechnen.

AfD:

Die AfD baut ihre starke Position in den neuen Bundesländern weiter aus. „Die Umfrage-Zuwächse in Sachsen und Brandenburg fallen aber auch deshalb so hoch aus, weil dort zuletzt 2014 gewählt wurde. Das Flüchtlingsthema ist aber erst 2015 hochgekocht“, sagt Jung. Die AfD holt also nach seiner Analyse jetzt das bei den zwei Wahlen nach, was ihr bereits zuvor in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gelang. Aufällig ist, dass die Linke ebenfalls stark verliert. Die Linkspopulisten müssen sich nun offensichtlich einen harten Kampf mit den Rechtspopulisten liefern.

Info: Politbarometer Extra unter: morgenweb.de/politbarometer

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