Politik

Politbarometer 68 Prozent der Befragten sehen Erderwärmung als Auslöser für Hitzewelle

Klarer Wandel bei Klima-Frage

Mannheim.Der Klimawandel ist schuld an der Hitze. Das sagen zumindest 68 Prozent der Befragten des aktuellen Politbarometers, das die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen gestern veröffentlicht hat. Demnach sei die globale Erderwärmung verantwortlich für die drückende Hitzewelle, die Deutschland seit Wochen ins Schwitzen bringt.

Interessant ist, dass die Mannheimer Wahlforscher auch während der langen Hitzeperiode des Sommers 2015 bei den Bürgern nach Ursachen gefragt hatten. Vor drei Jahren gab es beispielsweise im fränkischen Kitzingen Rekordtemperaturwerte von mehr als 40 Grad. Damals waren nur 48 Prozent der Menschen davon überzeugt, dass die globale Erwärmung einen Teil dazu beigetragen hatte. „Das ist eine klare Einstellungsveränderung“, erklärt Andrea Wolf, Vorstandsmitglied der Forschungsgruppe, das Umfrageplus von 20 Punkten.

Knapp die Hälfte der Befragten ging 2015 von normalen Wetterveränderungen aus und maß der Hitzewelle keine besondere Bedeutung bei. Im Juli 2018 sind es nur noch 28 Prozent, für die die Hitze im Bereich der normalen Wetterschwankungen liegt. „Damals war das ein sehr gespaltenes Meinungsbild. Klimawandel gegen Wetterkapriolen“, sagt Wolf. Auffällig ist zudem, dass nahezu Anhänger fast aller Parteien die Erderwärmung als Grund sehen.

Nur bei den Wählern der Alternative für Deutschland (AfD) gibt es ein anderes Umfrageergebnis. 45 Prozent sehen die Hitze als Folge des Klimas, 50 Prozent sprechen von einer normalen Schwankung. Gestiegen ist auch die Relevanz des Problembereichs Klima/Umwelt im vergangenen Monat: 17 Prozent der zufällig ausgewählten 1294 Teilnehmer sehen die Klima-Thematik nach der Zuwanderung nun auf Rang zwei der Problem-Skala.

Bürger begrüßen Hilfe für Bauern

Aufgrund der andauernden Trockenheit forderten Vertreter des Bauernverbandes und auch die Landwirte im Juli Entschädigungen in Höhe von einer Milliarde Euro für ausbleibende Ernteerträge. Unterstützung gibt es dafür aus der Bevölkerung: 42 Prozent der Befragten des Politbarometers finden eine Entschädigung in dieser Höhe gerechtfertigt. Ein Vergleich mit der Hitze-Periode aus dem Jahr 2015 ist nicht möglich. „Damals wurde in den Umfragen nicht nach einer Entschädigung gefragt“, erläutert Wolf. Die Forderung des Verbandes sei neu.

Elf Prozent der Teilnehmer der Befragung sind der Meinung, dass es sogar noch höhere Zahlungen geben könnte. 20 Prozent sind zwar für Entschädigungen, diese sollte aber unter der genannten Summe liegen. Weniger als ein Fünftel der befragten Bürger sind gegen eine zusätzliche Unterstützung für die Landwirte.

Große Zustimmung neben Klimawandel und Bauernentschädigung erfährt auch die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht in sozialen Einrichtungen oder der Bundeswehr. Erneut sehen 68 Prozent der Befragten diese als positiv an, knapp ein Drittel ist dagegen. „Es gibt Mehrheiten in allen politischen Lagern“, erklärt Wolf. Dazu gehören ihr zufolge auch viele Anhänger der Partei Die Linke mit 52 Prozent. „Die Zustimmung geht auch durch alle Altersstrukturen. Beispielsweise stimmen 60 Prozent der Gruppe der Unter-35-Jährigen der allgemeinen Dienstpflicht zu“, nennt Wolf auf Nachfrage weitere Ergebnisse.

Mehrheit gegen Wehrpflicht

Anders sieht es bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht aus. 43 Prozent der Deutschen würden es begrüßen, wenn diese wieder in Kraft treten würde. Seit 2011 ist die Wehrpflicht in der Bundesrepublik ausgesetzt. Wenig überraschend sind die Anhänger der Parteien SPD, Die Linke und Grüne mit 63 Prozent, 86 Prozent und 71 Prozent dagegen.

Nahezu gleich blieben die Ergebnisse bei der Sonntagsfrage. CDU und SPD haben weiterhin 31 beziehungsweise 18 Prozent Zustimmung. Die Linke verliert mit zwei Punkten am deutlichsten. AfD (16) und Grüne (15) gewinnen jeweils einen Prozentpunkt. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zufriedenheit mit der Bundesregierung um einen Punkt auf 51 Prozent minimal gewachsen. Damit liegt diese deutlich unter den Zahlen der vergangenen Legislaturperiode (71 Prozent).

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