Politik

Studie Beamte und Tarifbeschäftigte im Öffentlichen Dienst oft Opfer von sexueller Belästigung / Mehr Fälle als in Privatwirtschaft

Jede vierte Frau beklagt Übergriffe

Archivartikel

Berlin.Auch in den Amtsstuben könnten „MeToo“-Kampagnen nützlich sein. Laut einer gestern veröffentlichten Befragung von „Forsa“ kommt sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst sogar etwas häufiger vor als in der Privatwirtschaft. Und bei Diskriminierungen – wegen des Alters oder des Geschlechts – liegt man nur unwesentlich besser.

Ausgerechnet der Beamtenbund hatte die Studie in Auftrag gegeben, im Rahmen seiner jährlichen Untersuchung über das Ansehen des Öffentlichen Dienstes. Vorsitzender Ulrich Silberbach zeigte sich einigermaßen entsetzt: „Dass wir so schlecht sind wie die Privatwirtschaft, können wir nicht hinnehmen.“ Man werde nun überlegen, was zu tun sei. Eventuell eine Aufklärungskampagne, eventuell auch Schulungen für die Personalräte.

Hintergrund des Erstaunens: Nirgendwo ist die Schutzdichte für Arbeitnehmer so hoch wie im öffentlichen Dienst. Es gibt Antidiskriminierungsstellen, Frauen- und Behindertenbeauftragte und Personalräte. Trotzdem gaben von den 1004 befragten Beschäftigten des Staatssektors 32 Prozent der Beamten und 34 Prozent der Tarifbeschäftigten an, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt zu haben. Entweder bei sich selbst (15 Prozent Beamte, 20 Prozent Tarifbeschäftigte) oder bei Kollegen (jeweils 20 Prozent). Insgesamt gaben 26 Prozent der Frauen an, selbst sexuelle Belästigung erlebt zu haben – somit mehr als jede vierte Frau. Bei den befragten 1007 Beschäftigten der Privatwirtschaft lag die Erfahrung mit sexueller Belästigung etwas niedriger, bei 29 Prozent.

Frauen sind deutlich mehr betroffen als Männer, bei denen das Wissen über Übergriffe zudem weniger auf eigenes Erleben zurückgeht, sondern auf Beobachtungen. Als sexuelle Belästigung wurden Übergriffe, unangemessene Sprüche oder anzügliche Blicke gewertet.

Auffällig auch, dass die Betroffenen im Öffentlichen Dienst so etwas offenbar leichter hinnehmen. In den Behörden wehrten sich 41 Prozent, in den Betrieben 44 Prozent. 19 Prozent gaben an, sie hätten aus Angst nichts unternommen, zehn Prozent, weil sie berufliche Nachteile befürchteten, und sechs Prozent, weil der Chef selbst der Belästiger war.

Auch bei Diskriminierungen ist der Öffentliche Dienst kein Vorbild. In der Privatwirtschaft fühlen sich 20 Prozent benachteiligt, bei den Beamten 15 Prozent, bei den Tarifbeschäftigten 17 Prozent. Männer glauben, dass Alter oder eine Behinderung der Grund sind, Frauen sehen Geschlecht oder Familienstand als Motiv. Hauptklagen sind bei Männern, dass sie eine Stelle nicht bekommen hätten; bei Frauen eine ausbleibende Gehaltserhöhung.

Info: Die komplette Befragung auf www.dbb.de