Politik

NSU-Prozess Türken in Mannheim besorgt wegen NSU-Hintergründen

Cem Yalcinkaya: „Stolz auf unseren Rechtsstaat“

Mannheim.Wie nehmen Türken und Deutsch-Türken in Mannheim das Urteil im NSU-Verfahren auf?

„Wir haben lange auf die Entscheidung des Gerichts gewartet. Dass jetzt die Hauptverdächtige verurteilt wurde, erleichtert uns. Unser Vertrauen in den Rechtsstaat wurde gestärkt“, erklärt Talat Kamran, Leiter des Mannheimer Instituts für Integration und interreligiösen Dialog. Kamran glaubt aber auch, dass die Hintergründe des NSU noch nicht vollständig aufgeklärt seien: „Die Erkenntnisse aus dem Verfahren könnten nur die Spitze des Eisbergs gewesen seien.“ Daher verlangt er, dass es vermehrt Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus geben soll: „Wir müssen uns die Frage stellen, wie es in einem so zivilisierten Land wie Deutschland zu so einer Mordserie kommen kann. Ich habe sowas nie erwartet.“

Schulung für Beamte

Der Aufwand und die Länge des Prozesses machen Cem Yalcinkaya, stellvertretender Vorsitzender des Migrationsbeirats Mannheim, „stolz auf unseren Rechtsstaat“. Die Opfer blieben unvergessen. „Dazu haben ja nicht nur Einwanderer gehört, sondern auch eine Polizistin“, sagt er. Aber auch für ihn bleiben einige Fragen offen. „Was hätte verhindert werden können, wenn man von Anfang an in alle Richtungen ermittelt hätte und nicht die Opfer zu Tätern gemacht hätte?“, fragt der 32-Jährige. Für Yalcinkaya ist es unerklärlich, wie eine jahrelange Mordserie für so eine lange Zeit unentdeckt blieb: „Man hätte klären können, welche Personen bei Sicherheitsbehörden ihre Funktionen missbraucht haben, indem sie das Umfeld des NSU gewähren ließen.“ Mit Blick auf die Zukunft empfiehlt Yalcinkaya spezielle Trainings für staatliche Funktionsträger: „Jeder Mensch hat Vorurteile. Wenn man sich dessen aber bewusst ist, dann kann man damit professionell umgehen.“

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