Politik

CDU Annegret Kramp-Karrenbauer steckt in einer Abwärtsspirale / Ostdeutsche Landtagswahlen werden entscheidend

Ausrutscher auf dem Berliner Parkett

Archivartikel

Berlin.Wenn man in diesen Tagen mit Berliner Spitzenpolitikern über Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) spricht, dann fällt auch der Name Martin Schulz. Der SPD-Kanzlerkandidat war 2017 bejubelt und gehypt worden. Nach einigen Pannen folgte der dramatische Absturz. Das Schicksal Kramp-Karrenbauers erinnere mittlerweile stark an das von Schulz, heißt es in Berlin. „Es gab Fehler und Ungeschicklichkeiten“, so ein Insider.

Doch gegen AKK laufe im Moment „eine unfaire Kampagne“. Was immer sie auch mache, es werde gegen sie verwendet oder zugespitzt. Das kann man so sehen. Andere betonen hingegen: „Sie kriegt die Kurve nicht mehr.“ Zu viel sei schiefgelaufen, jede tapsige Äußerung hänge ihr nach. Daran ändere auch der Eintritt ins Kabinett als Verteidigungsministerin nichts. Manch einer glaubt sogar, dass der Ausgang der anstehenden Landtagswahlen Anfang September in Sachsen und Brandenburg über die Zukunft der CDU-Vorsitzenden entscheiden wird. Stark gestartet und dann doch über die eigene Unbeholfenheit gestolpert.

Seit dem Wochenende hat die Saarländerin ein Problem mehr. Sie hat sich eine Debatte ins Haus geholt, die für ihre Partei speziell im Osten verheerende Folgen haben könnte. Tatsächlich hatte sie gar kein Parteiausschlussverfahren gegen Ex-Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen wegen seiner Aussagen gegen die CDU gefordert oder angekündigt. Aber nebulös darüber schwadroniert und somit das Verfahren ins Spiel gebracht.

Hätte sie wissen müssen, was passieren würde, hätten ihre Vertrauten sie warnen müssen? Das Problem liege auch in der Parteizentrale, so einer aus der Führungsspitze. Sie sei schlecht aufgestellt. „Unsere Kampagnenfähigkeit besteht nur noch aus Plakate kleben.“ Das habe schon der Umgang mit dem Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo gezeigt. Der neue Generalsekretär Paul Ziemiak sei alles andere als eine Hilfe.

In Zeiten der Aufgeregtheiten, speziell in den sozialen Netzwerken, können schon in Ansätzen unklare Worte eine Welle der Empörung auslösen. In der Causa Maaßen kam es dann auch so. Speziell die Wahlkämpfer in Sachsen, Brandenburg und Thüringen zeigten sich entrüstet. Vergeigt die CDU die Landtagswahlen im Osten, steht somit fest, wer Schuld daran haben wird: AKK.

Parteifreunde lauern auf Fehler

Die Vorsitzende ist wieder in der Defensive, die Debatte über ihre Führungsqualitäten und damit über ihre Befähigung für die Kanzlerschaft ist neu entflammt. Überdies tut sich Kramp-Karrenbauer offenbar mit den Hauptstadt-Mechanismen schwer. Der Wechsel von einem Bundesland in die Berliner Politik ist eine Herausforderung, die mediale Beobachtung ist eine völlig andere als in Saarbrücken. Wer sich einmal auf dem glitschigen Berliner Parkett einen groben Schnitzer geleistet hat, steht unter besonders scharfer Beobachtung. Hinzu kommt noch etwas anderes: Im Hintergrund lauern unzufriedene Parteifreunde. Sie kommentieren jeden Ausrutscher genüsslich. Und ihre Zahl wächst von Fehler zu Fehler.

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