Oststadt / Schwetzingerstadt

Sommerserie „Erfolgreich im Stadtteil“ Start-up in der Schwetzingerstadt fertigt Kinderkleidung

Mit Hase und Bär in die Selbstständigkeit

Das Unternehmen ist noch ganz jung, kann aber schon erste Erfolge vorweisen. Im März haben die Designerin Dolunay Erdar und Geschäftspartner Stefan Koch, den einige als Betreiber der Premium Lunge auf dem Lindenhof kennen, ihren ersten Shop in der Berliner Straße in der Schwetzingerstadt eröffnet. Hier dreht sich alles um Mutter und vor allem Kind. „Unsere Mode muss praktisch für Eltern und Kind sein“, sagt Erdar. Die gelernte Modedesignerin für Damenoberbekleidung hat sich mit dem Label „Piaf und Ponti“ selbstständig gemacht.

Name von Anfang an klar

Wie der Name entstanden ist, erklärt die Designerin: „Als mein erster Junge Noah schon ein wenig größer war, wollte er, dass ich ihm abends Geschichten erzähle. Aber wenn ich vorlas, musste ja das Licht angeschaltet sein. Doch das wollte ich eigentlich nicht. Und so entstanden Geschichten vom Hasen Piaf und vom Bär Ponti, die wir uns abends erzählten.“ Heute erzählt Noah (5) seinem Bruder Raphael (3) abends Geschichten von den beiden Tieren, sagt Erdar. „Als es um den Namen für das Label ging, war schnell klar, dass dieses so heißen muss.“

Die Kindermode wird ausschließlich aus natürlichen oder naturnahen Stoffen in der Textilerei in C 4 gefertigt. „Wir arbeiten mittlerweile auch mit Designern in Schweden und Norwegen zusammen. Die Stoffe stammen überwiegend aus deutscher Fertigung. Die Nähgarne fertigt ein Unternehmen, das im südbadischen Gutach beheimatet ist.

Gerade zeigt Erdar eine kleine Hose mit Schwänen drauf. Selbst bei der Baumwollernte werde darauf geachtet, dass die dortigen Mitarbeiter ordentlich bezahlt werden und dass die Ware ökologisch behandelt werde. „Wir haben eine Kundin, die kauft das alles für ihre Urenkel und verschickt die Sachen nach Großbritannien. Die kommt regelmäßig und schaut sich nach neuen Produkten um“, so Erdar.

Dass Kinder die Welt mit anderen Augen sehen als Erwachsene, macht Erdar an einem Beispiel deutlich. Sie habe eine Freundin, die nur 1,67 Meter groß sei. Die habe etwas gesucht, wovon sie selbst gesagt habe, dass das im Schrank sei. Erst als Erdar sich selbst klein gemacht habe, habe sie erkannt, dass die Freundin das Gesuchte gar nicht sehen kann, weil sie von unten nach oben schaue.

Das Einkaufen soll sowohl der Mutter als auch dem Kind Spaß machen. Daher befinde sich im Ladengeschäft eine Spielecke, in der die Kinder sich aufhalten können, wenn sie denn wollen. Für die Zukunft soll es dort auch einen Bereich für Mütter geben. „Die können dann einen Kaffee dort trinken und vielleicht einen Sandwich oder eine andere Kleinigkeit essen“, sagt die Modedesignerin. Aber die letzten Genehmigungen für diese Umgestaltung müssten noch eingeholt werden, was etwas zeitaufwendig sei. In der Schneiderei näht gerade Othman Kashat, einer von drei Mitarbeitern, ein Kleidungsstück zusammen.

Keine Giftstoffe

„Es ist ganz schwierig, einen Näher oder eine Näherin aus Deutschland zu bekommen“, sagt Erdar. Was ihr noch wichtig ist: „Alle Stoffe, die wir verarbeiten, sind speichelfest“. Das bedeute, wenn ein Kind den Stoff in den Mund nehme, dann hat es keine Farbe oder gar Giftstoffe im Mund. Außerdem werden alle Kleidungsstücke vorgewaschen, bevor sie ausgeliefert werden, denn die Größe sollte bei Kindern ja schließlich stimmen.“ Baumwolle geht halt manchmal beim Waschen ein. Das sollte ausgeschlossen sein.

Die Produkte sind schon etwas ganz Besonderes. Das sieht man auch, wenn man den kleinen Laden in der Textilerei, in der verschiedene Labels angeboten werden, durchstöbert. Während aber die Konkurrenz, also große Firmen ungefähr ein Jahr im Voraus produzieren, könne sie viel spontaner reagieren. „Maximal ein halbes Jahr planen wir voraus, “ sagt Erdar. Wenn die Geschäftsidee scheitere, dann hat Erdar auch schon eine Idee: „Vielleicht schreiben wir dann Kinderbücher über die vielen Geschichten, die wir uns über den Hasen und den Bären erzählt haben.“