Nationalmannschaft

Fußball Im ersten Spiel nach dem WM-Desaster trotzt die DFB-Elf Weltmeister Frankreich ein 0:0 ab – und hat die besseren Chancen

Ein bisschen Wiedergutmachung

Archivartikel

München.Ein Achtungserfolg im ersten Auftritt nach der verkorksten Weltmeisterschaft: In einem lange Zeit von Sicherheitsfußball geprägten Duell trennte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gestern Abend im ersten Spiel der neu geschaffenen Nations League mit 0:0 von Weltmeister Frankreich. Die deutsche Auswahl präsentierte sich dabei in Defensive und Abstimmung verbessert, aber trotz einer starken zweiten Halbzeit offensiv nicht durchschlagskräftig genug.

„Das Spiel stand unter besonderen Vorzeichen. Es war wichtig, diese Reaktion zu zeigen. Wir hätten gegen den Weltmeister das eine oder andere Tor schießen können. Jeder Einzelne hat gefightet“, war der Bundestrainer mit der Vorstellung seiner Mannschaft zufrieden.

Wer nach dem WM-Desaster neue personelle Impulse im DFB-Team erwartet hatte, sah sich gewaltig getäuscht. Löw nominierte zunächst elf Russland-Fahrer, darunter insgesamt vier gelernte Innenverteidiger – erstmal hinten dichtmachen und die im Sommer verloren gegangene Sicherheit zurückgewinnen, das schien die mäßig originelle Strategie des Bundestrainers beim ausgerufenen Neustart zu sein. In der Viererkette verteidigte Antonio Rüdiger links, Matthias Ginter rechts – Joshua Kimmich rückte dafür ins defensive Mittelfeld. Der zum ersten Mal ins Aufgebot berufene Hoffenheimer Linksverteidiger Nico Schulz musste auf sein erhofftes Debüt warten. Bis auf den verletzten Torhüter Hugo Lloris trat die Equipe Tricolore mit exakt der Startelf an, die im furiosen WM-Finale von Moskau Kroatien 4:2 geschlagen hatte.

Taktisch geprägte erste Hälfte

Die deutsche Mannschaft, die beim Unternehmen WM-Titelverteidigung so kläglich als Gruppenletzter in der Vorrunde gescheitert war, wurde mit freundlichem Applaus in der ausverkauften Münchner Arena empfangen. Von den Sitzen riss die erste Halbzeit die 67 485 in Fröttmaning aber wahrlich nicht. Das Geschehen auf dem Rasen war zu arg von Taktik geprägt: Löw hatte ohnehin die Devise „Torsicherung zuerst“ ausgegeben, aber auch der Weltmeister startete sehr zurückhaltend und auf Sicherheit bedacht.

Die DFB-Elf stand im 4-1-4-1-System wie gewünscht stabil, in der Offensive rochierten Thomas Müller und Timo Werner auf den Außenbahnen, Marco Reus wirkte als „falsche 9“ ein wenig verloren. Trotz leichter Feldüberlegenheit tat sich das Löw-Team schwer, vernünftige Chancen herauszuspielen. Timo Werner zog einmal ab (18.), nach einem Eckball sorgten Rüdiger und Mats Hummels für dezente Gefahr (35.). Aber die Einstimmung war zumindest tadellos: Nach einer deutschen Ecke grätschte Reus in der eigenen Hälfte Frankreichs Wunderkind Kylian Mbappe ab (27.).

Kurz vor der Pause ließen die amtierenden Champions aber einmal kurz aufblitzen, wie viel Extraklasse in dieser Mannschaft steckt: Bei Olivier Girouds Kopfball musste sich DFB-Schlussmann Manuel Neuer ganz lang machen (36.), in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs versuchte es der französische Mittelstürmer artistisch mit der Hacke.

Am Gesamtbild änderte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts: Die deutsche Auswahl hatte mehr vom Spiel und suchte nach der Lücke – Frankreich wirkte bei seinen Aktionen zunächst noch zielstrebiger: Griezmann prüfte Neuer (49.). Auf der Gegenseite brach Werner einmal auf links durch und scheiterte an Ersatztorwart Alphonse Areola (56.).

DFB-Elf erhöht den Druck

Nach einer guten Stunde lockerten beide Teams ein wenig das taktische Korsett – und die DFB-Elf spielte plötzlich weitaus druckvoller. Ginter bediente in zentraler Position Reus, dessen Schuss aus elf Metern Areola glänzend parierte (63.). Nach einem Konter hatte der aufgerückte Hummels das 1:0 auf dem Fuß, scheiterte aber ebenfalls an Areola (72.). Auch bei Müllers verunglückter Flanke und Ginters Kopfball kurz danach musste Frankreichs Keeper ran, um ein Tor zu verhindern (75.). In der Schlussphase brachte Löw auch noch den vor der WM ausgemusterten Tempodribbler Leroy Sané – das 1:0 wollte aber nicht mehr fallen.

Der Weltmeister hatte in der Abwehr zwar größte Probleme, den Rückstand zu verhindern, rettete das Remis aber – am Ende leicht glücklich – über die Zeit.

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