Metropolregion

Neuerungen beim größten Weinfest der Welt Lärmschutzkonzept verbietet erstmals ab Mitternacht laute Fahrgeschäfte und Musik in Festzelten

Wurstmarkt Bad Dürkeim: Sperrstunde mit Spielraum

Archivartikel

Bad Dürkheim.Der Dürkheimer Wurstmarkt bekommt eine eigene Währung und muss leiser werden. Außerdem steigt der Preis für Schorle und Schoppen um 20 Cent – so hält das größte Weinfest der Welt bei seiner 602. Auflage einige Neuerungen bereit. Die Sperrstunde auf dem Dürkheimer Wurstmarkt sorgt seit Jahren für Diskussionen. Bisher konnten die jährlich mehr als 600 000 Besucher auf den Brühlwiesen nachts bis gegen 2.30 Uhr mit Musik und Lautsprecheransagen „beschallt“ werden – sehr zum Leidwesen der Anwohner, die deshalb erfolgreich vor Gericht zogen.

„Weil es Anregungen von Bürgern gab, hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) nachgefragt, ob wir da nicht etwas tun könnten“, sagt Bürgermeister Christoph Glogger schmunzelnd. So war mit der Aufsichtsbehörde 2015 ein Stufenplan erarbeitet worden. Der sieht vor, dass im Jahr 2018 nur bis Mitternacht gefeiert werden darf, 2017 war um ein Uhr Schluss.

Ausschank bis zwei Uhr morgens

„Diese Regelung lässt uns aber einen gewissen Spielraum – wir nennen das Wurstmarkt ,unplugged’, also gewissermaßen nicht eingesteckt“, verrät der Bürgermeister. Zwar müssten die Fahrgeschäfte offiziell um 24 Uhr schließen, „doch wenn sie nachweislich keinen Lärm verursachen und die Nachtruhe stören, dürfen sie bis zwei Uhr morgens betrieben werden“. Das betreffe zum Beispiel das Riesenrad oder die Geisterbahn. Allerdings müssten die Schausteller vorab mit einer Lärmmessung nachweisen, dass ihre Fahrgeschäfte den Grenzwert von 55 Dezibel nicht überschreiten. Das gelte auch für die von Fahrgästen verursachten Nebengeräusche: „Im Jupiter schreit keiner, in der Achterbahn schon“, erklärt Glogger.

Auch in den Festzelten müssten die Besucher nicht Schlag Mitternacht ihre Plätze räumen: „Die Zapfanlagen laufen weiter und man kann – allerdings ohne Musik – bis zwei Uhr morgens feiern, so der Bürgermeister. Erstmals dürften die Festzeltbetreiber auch Cola und Orangenlimo ausschenken, Mischgetränke wie „Persching“ (Weißherbst-Fanta) soll es aber nicht geben. Ein abruptes Ende in den Festzelten sei verkehrstechnisch ohnehin schwierig zu bewerkstelligen gewesen: „Wenn mehrere Tausend Besucher auf einmal zum Bahnhof strömen oder die Schubkarchstände fluten, bekommen wir ganz andere Probleme“, sagt der neue Wurstmarktmeister Marcus Brill.

Das „unplugged“-Verfahren werde dieses Jahr getestet: „Wir werden die Erfahrungen hinterher mit Anwohnern und der SGD auswerten und auf dieser Grundlage das Vorgehen für die kommenden Jahre festlegen“, erklärt Brill. Da auch der Literarische Frühschoppen am ersten Wurstmarkt-Montag den Zorn der Anwohner erregt, will die Stadt bei der Kultveranstaltung ebenfalls nachsteuern: So werde das Mundart-Spektakel in andere Schubkarchstände übertragen und fange diesmal um 10.30 Uhr statt um 10 Uhr an. „Dann kommen die Leute vielleicht nicht schon um fünf Uhr morgens mit Campingkocher hier an, um einen Platz zu bekommen“, hofft Glogger. Denn zwischen fünf und acht Uhr morgens beschwerten sich viele über den Lärm, den die „hartgesottenen Fans“ verbreiteten.

Neue Währung: „Worschtmark“

Am Sicherheitskonzept mit Lkw-Sperren an allen Zufahrten auf die Brühlwiesen sowie stichprobenartigen Taschenkontrollen an den acht Eingängen sei nichts Wesentliches verändert worden. „Polizei und Ordnungsamt werden auch wieder gemeinsam auf Streife gehen.“

Brandneu ist die „Worschtmark“. „Das ist die offizielle Wurstmarkt-Währung. Damit kann man Bratwurst, Schorle, Riesenradfahrt oder die neue Bratpfanne bezahlen“, sagt Glogger. 3000 dieser Silbermünzen, die bei der Tourist-Information zu haben sind, seien bereits im Umlauf. Eine Worschtmark ist fünf Euro wert.

Wer sein Dubbeglas füllen will, muss heuer 20 Cent mehr bezahlen, so werden laut Wurstmarkt Winzermeister Helmut Darting für ein Schorle 4,50 Euro und für einen Schoppen Festwein 5,20 Euro verlangt. Dafür hätten die 292 Weine und Sekte eine „hervorragende Qualität“. Aufgrund der gestiegenen Produktionskosten habe man auch das Glaspfand von zwei auf drei Euro erhöht.