Metropolregion

Corona-Krise Festivals, Museen und Schlossverwaltung fordern Anstrengungen zum Erhalt der kulturellen Infrastruktur

Ein gemeinsamer Alarmruf

Rhein-Neckar.Das Ende der Halle 02 in Heidelberg hat sie alle noch mal erschreckt – aber letztlich bestätigt: Mit einem gemeinsamen Alarmruf haben sich das Kulturbüro der Metropolregion sowie die Netzwerke der Museen und Schlösser sowie der Festivals zu Wort gemeldet. „Wir müssen aufpassen, dass die kulturelle Infrastruktur trotz der Corona-Krise erhalten bleibt“, appellierte Rainer Kern, der Enjoy Jazz-Chef, im Namen der 13 Häuser und 18 Festivals an die Politik: „Es wäre unkluges Management, jetzt die Institutionen nicht zu schützen“, warnte er.

„Herausforderung“ oder „große Herausforderung“ – mindestens ein Dutzend mal fielen diese Worte während des Treffens in der Mannheimer Kunsthalle. Deren Direktor Johan Holten begrüßte die Vertreter der großen Kultureinrichtungen der Metropolregion und sprach von der „Gratwanderung“ zwischen dem Wunsch, den Kulturbetrieb wieder hochzufahren, und der Pflicht zum Infektionsschutz wegen Corona.

Vor Ausbruch der Pandemie lockten die Museen und Festivals in der Metropolregion drei Millionen Besucher pro Jahr an. Drei Welterbestätten, 110 Theater, 230 Museen und über 120 Burgen oder Schlösser zählt Thomas Metz, Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, auf: „Das sind ganz wichtige weiche Standortfaktoren!“

„Wir sind aber auch ein Riesenwirtschaftsfaktor“, verwies Sascha Kaiser, Geschäftsführer der Nibelungenfestspiele Worms, auf 1,7 Millionen Euro Netto-Wertschöpfung allein durch sein Festival in Worms. „Da hängt einfach ein riesiger Rattenschwanz dran, bis zur Gastronomie und dem Grafiker“, so Kaiser.

Doch all das habe Mitte März plötzlich „eine Vollbremsung bei Tempo 200 erlebt“, wie es Alexander Schubert, Direktor des Historischen Museums der Pfalz, ausdrückte. 85 000 Besucher strömten binnen von nur zehn Wochen zu seinen beiden Erfolgsausstellungen „Medicus“ und „Grüffelo“, doch noch sind sie geschlossen. Daran hingen auch viele freiberufliche Existenzen, etwa der Museumsführer. Auch er fordert, „die gesamte kulturelle Infrastruktur so gesund und funktionsfähig zu halten wie vor der Krise“.

„Kein Luxus für gute Zeiten“

Zwar ist in einigen anderen Häusern bereits wieder Museumsbetrieb möglich. Doch in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen registriert Generaldirektor Alfried Wieczorek etwa, dass „unser normales Zielpublikum sehr, sehr zurückhaltend ist“ in geschlossene Räume zu kommen.

Etwas positiver sieht zwar Thomas Metz die Lage: „Unsere Monumente sind beliebte Ausflugsorte, an denen die Menschen der Region ihre Geschichte erleben können, nur die Touristen fehlen derzeit“. Zwar habe man alle Begleitveranstaltungen, welche auf die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ vorbereiten sollen, absagen müssen, die Ausstellung selbst im September in Mainz – von den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen mitgestaltet – finde aber in jedem Fall statt, versicherte Metz.

Die Festivals, klagte Sascha Kaiser, seien indes „im Schwebezustand“ und wüssten nicht, wann sie loslegen können. Noch fehle eine Definition, was unter das bis Ende Oktober geltende Verbot von Großveranstaltungen falle und was nicht.

In jedem Fall müssen man „jetzt schon an die Zukunft denken“, forderte Metz: „Auch nach der Corona-Krise müssen die Kulturangebote der Metropolregion erhalten bleiben“, womit er die gesamte „reichhaltige Kulturlandschaft“ meine.

„Wenn die Krise vorbei ist, das war auch nach Kriegen immer so, stürzen sich die Leute auf Kultur“, sagte Rainer Kern. „Kultur ist kein Luxus für gute Zeiten, sondern systemrelevant“, mahnte daher Alfried Wieczorek. Die Werte, die über Kultur vermittelt werden, seien wichtiger denn je. Er will daher gemeinsam mit der freien Szene gemeinsame Projekte und neue Formate entwickeln: „Wir müssen in der Krise zusammenstehen“, so Wieczorek.

Daran arbeitet auch das Kulturbüro der Metropolregion, sagte dessen Leiter Robert Montoto: „Wir sind dabei, Ideen zu entwickeln, und planen dazu eine Perspektivkonferenz“, kündigte er an. Schon bisher seien einige Hilfsaktionen für Kulturschaffende gut angelaufen. „Sie haben gezeigt, dass wir zusammenstehen und uns nicht auseinanderdividieren lassen“.

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