Mannheim

"Jazz im Quadrat - Hautnah Entdeckungen"

Pascal Blenke brilliert im "Ella & Louis"

Schon jetzt ist klar: Es ist einer der denkwürdigen Abende der noch jungen Serie „Jazz im Quadrat – Hautnah Entdeckungen“ im Mannheimer Jazzclub „Ella & Louis“. Denn auch, wenn man dem Sänger Pascal Blenke mit seinen zarten 19 Jahren das kaum zutraut: Der junge Mann aus Stuttgart beherrscht das ausverkaufte Haus im Keller des Rosengartens mit einer Routine, die verblüfft. Schon im Interview mit Kulturredakteur Georg Spindler foppt er seine Zuhörer mit augenzwinkernden Pointen („Jazz-Standards? Was meinen Sie denn damit?“) und auch melodisch sind die Kompositionen des Abends kein bisschen weniger ausgebufft.

Was tatsächlich eine wahre Überraschung ist. Denn Blenke verlässt sich mit seiner Band keineswegs auf Altbekanntes: Es sind nahezu durchweg Eigenkompositionen in deutscher und englischer Sprache, die zwischen Wehmut und Tatendrang eine Passion entfalten, die trägt, verführt und die Zuhörer auch zum Anvertrauten werden lässt. Vereinzelte Nummern von Jamie Cullum oder dem Progressive Gospel-Ensemble „Hillsong“ müssen da nur noch als Punkt auf dem i eines Abends dienen, der sich durch die Unbeschwertheit seiner Protagonisten mit jeder Minute intensiviert.

Es hat tatsächlich etwas Magisches für sich, wenn sich die vierköpfige Band in ihrem Zusammenspiel diesen einen entscheidenden Moment lang vergisst, die Soli wie ein inspiriertes Feuer durch die Boxen jagen – und ein Groove entsteht, der gleichermaßen fesselt und begeistert.

Es erweist sich dabei als großes Pfund, dass die Band bei ihrem zweiten Auftritt überhaupt die Leinen bewusst loslässt und damit keine Prise des wilden, puristischen Ausdrucks mit falscher Vorsicht zügelt. Denn nur so entsteht der Sog von Nummern, die mutig zwischen Rap und Funk, Pop und Jazz vibrieren, ohne dabei jemals zu zerbrechen.
Das hat viel mit der großen Harmonie zwischen den Musikern zu tun, die sich in den gut zwei Konzertstunden dieses Abends wirklich zuhören, anstatt sich selbst zu produzieren. Vor allem aber ist hier der 19-jährige Frontmann zu loben, der zwischen Falsett-Läufen und rockiger Lautstärke vokal über jeder Nummer thront, ohne dabei jemals den Kontakt zu Harmonie oder Text zu verlieren. Am Ende ist Clubbetreiber Thomas Siffling mit einem stehend applaudierenden Haus einer Meinung: Von diesem jungen Mann hat man gewiss nicht zum letzten Mal gehört!

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