Mannheim

Private Vorkehrungen Keller in Wohnhäusern werden systematisch baulich verstärkt und miteinander verbunden / Absolute Sicherheit trotzdem Illusion

Oft wird die Zufluchtsstätte zur Todesfalle

Klar ist: Geplant wird er nur, um die Folgen des rücksichtslosen deutschen Angriffskrieges zu mindern, sollte dieser irgendwann auf das eigene Land zurückschlagen. Aber der „Luftschutz“ rettet eben auch Tausenden unschuldigen Zivilisten das Leben – in großen öffentlichen Tief- und Hochbunkern, aber auch im privaten Bereich.

Nach ihrem Machtantritt 1933 beginnen die Nationalsozialisten nicht nur mit der Planung ihres Angriffskrieges, sondern auch mit den Vorbereitungen für den Schutz der Bevölkerung vor Gegenschlägen, vor allem aus der Luft. Die Propaganda dafür setzt bereits im Kindesalter ein – zum Beispiel mit kleinen bunten Bildchen, mit denen die Vorkehrungen und die Vorbereitungen für den Luftschutz popularisiert werden. In unzähligen Übungen wird das derart Gezeigte regelmäßig geprobt.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn werden die so seit langem vorbereiteten Vorkehrungen in Kraft gesetzt, das Wort „Verdunkelung“ zum Schlagwort jener Zeit. Scheinwerfer von Autos und Fahrrädern werden mit schwarzen Kappen versehen, die ihr Licht nur durch einen schmalen Schlitz freigeben, Straßenbeleuchtungen bald komplett abgeschaltet. Und die Verdunkelungsmaßnahmen bestimmen auch den privaten Lebensbereich. Alle Zimmerfenster müssen mit schwarzen Rollvorhängen ausgestattet sein, die vor Einschalten des Lichts heruntergelassen werden. Sogar die Glühbirnen der Deckenlampen werden dunkel eingefärbt, somit zu „Verdunkelungsbirnen“.

Wasserbehälter auf dem Dachboden

Zudem wird das Haus für den Fall eines Bombentreffers vorbereitet. Gerätschaften, die ein Feuer eindämmen können, angefangen vom einfachen Eimer, werden bereitgestellt, in den entrümpelten Dachgeschossen meterhohe Wasserbehälter aufgestellt.

Auch baulich wird aufgerüstet. Die Keller werden zu Luftschutzräumen (LR oder LSR abgekürzt) ausgebaut, zu diesem Zweck Eingänge und Decken verstärkt. Dennoch muss damit gerechnet werden, dass bei einem Bombentreffer die Trümmer des einstürzenden Gebäudes die Ausgänge verschütten. Um den Bewohnern trotzdem eine Flucht zu ermöglichen, ist vorgeschrieben, Mauerdurchbrüche vorzubereiten.

Mauerdurchbrüche möglich machen

Zu diesem Zweck wird zunächst das Mauerwerk zwischen zwei Kellern in einer Größe, die einem Menschen das Durschlüpfen ermöglicht, durchbrochen und danach lediglich mit einer Lage Backsteine wieder geschlossen. Im Notfall kann dieses Mauerwerk an der entsprechenden Markierung mit einfachem Werkzeug, etwa einer Spitzhacke, leicht durchbrochen werden; ganze Straßenzüge sind dadurch unterirdisch miteinander verbunden.

So die Theorie. Für viele Menschen werden die Keller dennoch zu Todesfallen – entweder, weil der Sauerstoff ausgeht oder weil die Bomben trotz aller Verstärkungen dennoch ihren Weg bis ganz nach unten finden. Und die Überlebenden wiederum erleiden psychische Belastungen, die sie ihr ganzes folgendes Leben nicht mehr loslassen.

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