Mannheim

Selbst gemacht Lehramtsstudentin Lena Reuter komponiert für ihren Kinderchor ein eigenes Stück mit singenden Tieren

Musical als Abschlussarbeit

Ein Musical, in dem singende Tiere vorkommen, und es ist weder „König der Löwen“ noch „Cats“? Gibt es, sogar in Mannheim. Es handelt sich um das Kindermusical „Eine neue Welt“, und es ist komplett „selbst gemacht“ von Lehramtsstudentin Lena Reuter.

Die 26-jährige Karlsruherin zog vor sechs Jahren fürs Studium der Fächer Französisch und Schulmusik nach Mannheim und hat auch vor, hier zu bleiben. „Ich hatte eine schöne Studienzeit, und aufgrund meiner Fächerkombination war ich an der Musikhochschule sowie an der Uni eingeschrieben. Mit dem Staatsexamen in Musik bin ich im Juli fertig geworden, Französisch kommt noch“, erzählt Reuter. Es sei ein großartiges Studium, das ihr viele Möglichkeiten geboten habe. „Das Musical war zwar meine Abschlussarbeit, aber komplett ein eigenes zu komponieren, war eigentlich nicht mein Plan“, sagt Reuter, die im Alter von 17 Jahren Klavier lernte und dank des Gesangsunterrichts im Studium selbst ab und an bei Konzerten mitsingt, Stimmlage Mezzosopran.

Seit drei Jahren wirkt sie beim Kinderchor der Heilig-Geist-Kirche mit, wo sie für die Stimmbildung zuständig ist. Chorleiter Alexander Niehues bringt mit den Kindern jedes Jahr ein Musical auf die Bühne.

Von Saxofon bis Streicher

Genau zu dieser Zeit suchte Lena Reuter nach einem Prüfungsthema, für das es kompliziert klingende Anweisungen gab: „Es galt, Teile der Musik zu vernetzen, die noch nicht vernetzt waren.“ Wo ein Außenstehender nur Bahnhof versteht, machte sich die Studentin auf die Suche nach kindgerechter Musik, um sie ganz neu zu arrangieren. „Ich fand nichts Passendes, deshalb beschloss ich, selbst etwas zu komponieren“, erzählt die 26-Jährige.

Die fachlichen Voraussetzungen brachte Lena Reuter durch das Studium mit, in dessen Verlauf man lernt, wie man Songs mit dem Klavier begleitet. Auch der Aufbau verschiedener Musik-Stilrichtungen gehörte zum Lehrplan. Noten auf Papier schreiben war nicht nötig, alles lief über ein Computerprogramm. „Doch ich musste jede Stimme der Partitur einzeln eingeben, vom Saxofon über Klavier bis hin zu den Streichern. Und dann kam erst der Gesang – zweistimmig.“

Das Musical ist für Kinder von sechs bis zehn Jahren und dauert etwa 30 Minuten. Auch die Handlung hat sich die Studentin selbst ausgedacht. Es spielt im Land der wüstenroten Sonne, wo viele Tiere leben. Sie leiden unter einer starken Hitze. Ihre Widersacher sind die Nebelwesen, die eine Klima-Maschine besitzen, die das Gleichgewicht der Natur durcheinanderbringt. Held der Geschichte ist der Tiger Theo, der den anderen Tieren immer wieder Mut macht, den Konflikt mit den Nebelwesen, unter anderem der zornigen Zara, zu lösen.

„Die Interpretation des Stücks lasse ich offen, jeder sieht etwas anderes“, betont Reuter. „Mir war nur wichtig, dass es ein Happy End gibt, und dass die Welt im Stück nicht in Gut und Böse unterteilt ist. Die Rollen der Tiere waren zwar beliebter bei den Kindern, doch auch für die Nebelwesen fanden sich Sänger.“

Der große Aufwand habe sich gelohnt, die Note für die Examensarbeit sei „sehr gut“ ausgefallen. „Doch auch von den Kindern habe ich sehr viel zurückbekommen. Wenn die Kleinen nach den Proben noch die Lieder singen, das erfüllt mich.“ Lena Reuter kann sich vorstellen, noch weitere Musicals zu komponieren. „Allerdings im kleinen Rahmen, wie zum Beispiel mit einer Schulklasse. Die Chorarbeit ist mir wichtig.“

Wer miterleben möchte, wie Tiger Theo und die anderen Tiere gegen die Nebelwesen ansingen, hat am Sonntag, 30. September, um 15 Uhr die Gelegenheit dazu – im Saal der Heilig-Geist-Kirche.