Mannheim

Neue Kaffeewelle Die Unternehmer von Pourista konzentrieren sich auf den reinen Geschmack der Frucht / Die Mannheimer schätzen die Region

Junge Unternehmer entlocken Kaffeebohnen das Aroma

Archivartikel

„Black Tonic“, geeister Filterkaffee und „Cold Brew New Orleans Style“ – diese und weitere außergewöhnliche sowie ganz klassische Kaffeezubereitungen gibt es bei dem Start-up Pourista. „Wir verstehen Kaffee als Genussmittel und wollen die Aromen den Menschen beibringen“, erklärt Mitgründer David Zwilling. Er, Barista und Röster Christopher Schulz, Geschäftsführer Florian Fischer und Barista Salvatore Lentini rösten, brühen und verkaufen bei Pourista den Kaffee.

Die Unternehmensgründer sehen sich als Bestandteil der sogenannten „Third Wave of Coffee“, also der dritten Kaffeewelle. Diese Bewegung bezeichnet die Produktion von qualitativ hochwertigem Kaffee, der als Genussmittel ähnlich wie etwa Wein getrunken wird. „Wir wollen dem Trend von Starbucks, bei dem man sich Sirup und Sonstiges in den Kaffee tut, entgegen gehen“, sagt Zwilling. Pourista konzentrieren sich stattdessen auf die kaffeeeigenen Aromen. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir den Kaffee direkt und frisch in kleinen Mengen rösten,“ ergänzt Geschäftsführer Fischer.

Hinter dem Tresen bei Pourista finden sich zwischen altbekannten Cafetières (auch French Press genannt) und Handfiltern, auch außergewöhnliche Instrumente: Ein Aeropress, „Cold Drip“- und „Cold Brew“-Zubereiter. Bei erstgenanntem Verfahren zieht der Kaffee zuerst und wird dann durch einen Kolben gepresst, ähnlich wie bei der Cafetière. „Cold Brew“ und „Cold Drip“ sind Prozesse, bei denen kaltes Wasser über Nacht sehr langsam gefiltert wird – vergleichbar mit dem herkömmlichen Filterkaffee, nur zeitaufwendiger.

Richtige Temperatur treffen

Bei der Zubereitung und Röstung von Kaffee gibt es zahlreiche Aspekte, die man beachten muss: Werden die Kaffeebohnen beispielsweise zu stark erhitzt, dann verbrennen sie, Koffein gehe verloren und der Kaffee schmecke später bitter, sagt Zwilling. Das können Kaffeetrinker daran erkennen, dass die gerösteten Kerne ziemlich dunkel seien. Deshalb röste Pourista die Bohnen schonender, so dass sie später noch eine helle Farbe aufweisen, erklärt der studierte Betriebswirt. Die Gründer wollen ihre Karte zwar klein halten, haben aber auch ein paar Spezial-Getränke wie den „Black Tonic“, eine Kombination aus Tonic Wasser und „Cold Drip“- oder „Cold Brew“- Kaffee. Will der Kunde Milch in seinen Kaffee, heißt das bei Pourista „New Orleans Style“. Ihre Bohnen bekommen die Unternehmensgründer aus den gängigen Anbaugebieten, wie Bolivien oder Äthiopien– manchmal von den Farmen direkt, ansonsten achten die Kaffeemacher darauf, dass das Produkt fair gehandelt werde, erklärt Zwilling.

Die Idee für den Laden hatten die Mannheimer nach ein paar Bier in einer Bar im Jungbusch: „Wieso gibt es hier im Stadtteil eigentlich kein richtiges Café?“, fragten sie sich und beschlossen, das zu ändern. Das haben sie zwar noch nicht realisiert, dafür im April ihren Betrieb in der Innenstadt eröffnet. Ihre Bohnen rösten sie derzeit in Landau, wollen aber in Zukunft die komplette Verarbeitung nach Mannheim verlagern. Die Räumlichkeiten teilen sie sich mit der Textilerei in C 4, ein Gründerzentrum für Mode und Textilien von Startup Mannheim.

„Kreativ und weltoffen“

„Die Stadt und die Region geben uns viel, hier sind die Leute kreativ und weltoffen. Mannheim bietet ein gutes Umfeld, um zu starten, nicht zu groß und nicht zu klein,“ sagt Zwilling. Die Start-up Szene habe sich ihm zufolge in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Auch die Unterstützung von Startup Mannheim sei herausragend, sagt Zwilling. Eigentlich hatten die vier Mannheimer geplant, ab September zusätzliche Räume im Gründerzentrum Honeycamp anzumieten. Dort können Unternehmensgründer gemeinsam werken – auch „Cocrafting“ genannt. Der Zeitplan von Pourista verzögerte sich jedoch. „Wir mussten uns mit der Gründung der Kapitalgesellschaft beschäftigen“, erklärt Fischer. Ab ersten Januar haben die Gründer nun einen Mietvertrag. Auch am Design ihres Ladens tüfteln sie noch.„Wir befinden uns im Gründungsprozess und probieren aus, was funktioniert und was nicht,“ sagt Fischer. In nächster Zeit sei das Start-up viel auf Messen und Events, um auf sich aufmerksam zu machen, berichtet der Geschäftsführer.

Das Ziel von Pourista ist es, nicht nur Mannheim mit Kaffee zu versorgen – drei bis fünf Standorte sind geplant – sondern ganz Deutschland. Vielleicht bekommt der Jungbusch dann ja auch ein Café….

Info: Dossier unter morgenweb.de/startup

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