Mannheim

Jagd auf „Froschkönig“ und „Florida-Rolf“ – Die Internet-Affäre der CDU

Archivartikel

Montag, 13. Juni 2005: Staatsanwalt Andreas Grossmann hat an jenem Hochsommertag mit einem Durchsuchungsbefehl beim damaligen, inzwischen verstorbenen, „MM“-Chefredakteur Horst Roth Unterlagen über das Diskussionsforum im Morgenweb beschlagnahmt.

Hintergrund: Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus-Dieter Reichardt hatte zuvor Anzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung im Morgenweb erstattet. Zunächst gegen Unbekannt, da die Einträge in dem Forum unter Pseudonymen abgefasst worden waren. Wie sich schnell herausstellt, steckten Reichardts Parteifreunde Sven-Joachim Otto und Rolf Schmidt, damals Bürgermeister, hinter Schmäh-Einträgen wie „Intrigant“ oder „übler Lump“.

Die beiden hatten unter einer Vielzahl von Decknamen wie „Froschkönig“ oder „Florida-Rolf“ mit Online-Beiträgen Diskussionen über Reichardt fingiert. Otto: „Facebook und andere Netzwerke gab es damals noch gar nicht, das Forum des „MM“ war die einzige Möglichkeit, online etwas einzutragen.“ Was in Zeiten von Hass, Hetze und Fake-News in sozialen Netzwerken fast schon harmlos erscheint, sorgte vor 13 Jahren allerdings für ein politisches Erdbeben in der ohnehin gebeutelten Mannheimer CDU.

„Ich habe das alles hinter mir gelassen“, sagt Sven-Joachim Otto heute. „Die Auseinandersetzungen von damals würde ich wieder führen, aber nicht mehr auf der persönlichen Ebene.“ Mit den Akteuren sei er jedenfalls im Reinen. Sogar mit Klaus-Dieter Reichardt, der seinerzeit Anzeige erstattete, könne er wieder „normal sprechen“. Die Ermittlungen, zu denen Reichardts Anzeige führte, wurden 2007 „wegen zu geringer Schuld“ eingestellt.

Normalität ist auch im Umgang mit dem „MM“ eingekehrt: Zwar spricht Otto in der Affäre von einen gegen ihn gerichteten „Berichterstattungs-Tsunami“ in der Zeitung. Neben Kontakten mit Familie und Freunden sei die gelegentliche Online-Lektüre des „MM“ für ihn aber wieder eine gerne genutzte Verbindung nach Mannheim. lang

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