Mannheim

Jungbusch Arbeitskreis Islamischer Gemeinden veranstaltete zum elften Mal ein gemeinsames Fastenbrechen

Gemeinsames Warten auf den Untergang der Sonne

Archivartikel

In der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang geht der Blick immer häufiger auf die Uhr: Wann ist es endlich soweit? Ein Trupp von freiwilligen Helfern teilt Mahlzeiten an den langen Tafeln in der Jungbuschturnhalle aus. Der Arbeitskreis Islamischer Gemeinden Mannheim (AKIG) hat Vertreter der Kommunalpolitik, der Kirchen und der Gesellschaft zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen.

Koransure vorgelesen

Es duftet schon lecker. In noch verschlossenen Essensboxen schlummern Salate, Linsensuppe, Gulasch und Reis. Geduldig warten die Anwesenden auf den Untergang der Sonne. Vorher dürfen sie die Speisen nicht anrühren. Auch viele Nichtmuslime sind dabei; manch einer hat von ihnen schon vorher am Nachtisch genascht. Anja Aligi von der albanischen Moschee begrüßt die zahlreichen Gäste zum elften gemeinsamen Fastenbrechen in Mannheim. Danach liest Imam Sabahudin Jerebicanin vom deutsch-bosnischen Kulturverein eine Sure aus dem Koran.

Nevzat Arslan, türkischer Generalkonsul aus Karlsruhe, gratuliert zur Aktion aller 14 Moscheen in Mannheim. „Das trägt zur Gemeinschaft bei“, sagt er. Der Türkische Dachverband DITIB mit mehr als 1000 Moscheen in Deutschland vertrete demokratische und freiheitliche Werte – sowohl in Deutschland als auch in Türkei, sagt er. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. setze sich dafür ein, dass die Gemeinden gemeinsam agieren. „Ich freue mich daher sehr, dass alle zusammengekommen sind“, sagt der Konsul.

Für den neuen Polizeipräsidenten, Andreas Stenger, ist es „eine Herzensangelegenheit zu kommen und miteinander zu sprechen“. Er betont, dass es wichtig sei, „in einen engen Dialog zu treten“, und dass sich die muslimischen Gemeinden an die Polizei wenden können, wenn sie Unterstützung bräuchten. Durch den Wechsel im Amt werde sich nichts ändern, versprach der Polizeipräsident. Er wolle „Bewährtes umsetzen und die Tradition des Dialogs fortsetzen“.

Wachsender Druck von Rechts

Regelmäßig zu Gast ist Oberbürgermeister Peter Kurz. Die Einladung zeige, dass sich die muslimischen Gemeinden als Teil der Stadt sehen würden. „Die Stadt ist offen für alle“, betont er. Das gemeinsame Fastenbrechen biete eine Plattform, „über Dinge zu sprechen, die uns verbinden, und Dinge, über die wir reden müssen – immer miteinander und nicht übereinander“. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, kritische Fragen zu diskutieren.

Mikal Kibar, stellvertretender Vorsitzender der Yavuz Sultan Selim Moschee, erklärt: „Unsere Gemeinschaft hier in Mannheim ist eine besondere Gemeinschaft.“ AKIG werde sich auch weiter mit aller Kraft für Mannheim einsetzen. Es gehe nicht nur um das Miteinander, sondern auch um die Teilhabe – die gesellschaftliche und politische Integration von Muslimen. Doch leider gebe es einen wachsenden Druck aus dem rechtspopulistischen Lager. „Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, antichristlicher Hass und Rassismus dürfen nicht verharmlost werden“, warnt Kibar. Er betont: „Der AKIG und alle Muslime sind Teil der Gesellschaft und werden ihren Beitrag leisten, damit wir gemeinsam bevorstehenden Problemen entgegentreten und uns gemeinsam weiterentwickeln können.“

Dann ist es endlich soweit: Um 21.15 Uhr ist die Sonne im Jungbusch untergegangen und das Büffet mit den leckeren Speisen kann beginnen.