Mannheim

Reformationstag Zentraler Festgottesdienst in der Konkordienkirche / Ingeborg Schmidt nimmt Medaille entgegen

"Freiheit und Verantwortung gehören zusammen"

Archivartikel

Der Festgottesdienst zum Reformationstag in der Konkordienkirche ist schon fast zwei Stunden alt, da kommt vielleicht der größte Beweis, dass dieser Abend ein Mannheimer Zeugnis eines freien Christenmenschen ist, wie es Martin Luther in seinen 95 Thesen präziser nicht hätte fassen können. Es ist der katholische Stadtdekan Karl Jung, der ans Mikrofon tritt, und statt eines spalterischen Aktes ein "gemeinsames Christusfest" in der Reformation nachzeichnet, das sich nach einer "Ökumene der Herzen" sehne und auch allen anderen Gläubigen die Worte von Papst Franziskus entgegenrufe: "Sprecht mit dem Herrn -und geht weiter."

Interreligiöser Dialog

Bereits zu Beginn hatte der evangelische Dekan, Ralph Hartmann, ein Zeichen gesetzt, diesen "Tag voll Tiefgründigkeit und Fröhlichkeit" nicht nur als Eckpfeiler des interreligiösen Dialogs zu verstehen, sondern mit Aleviten, Juden, Katholiken und der muslimischen Ditib-Gemeinde auch jene Konfessionen zu diesem Hochfest des Protestantismus zu versammeln, die die Quadratestadt prägen. Dass man sich und den Glauben trotz allem nicht einfach einvernehmlich feierte, sondern ganz im lutherischen Sinne auch kritisch mit sich ins Gericht ging, sollten die kommenden Minuten zeigen. Denn mit Heike Springhart hatte man sich nicht nur die Gewinnerin des ersten Badischen Frauen-Preacher-Slams als Gastpredigerin eingeladen - die Leiterin des Theologischen Studienhauses in Heidelberg teilte auch kräftig aus. Aus dem Vexierspiel zwischen Helligkeit und Schwärze in Matthäus' zehntem Kapitel entnimmt Springhart nämlich keineswegs nur Tag und Nacht: Sie zeichnet ein Bild zwischen schillerndem Ruhm und finsterem Missbrauch, wie er selbst in Hollywood salonfähig wurde - von dem eiligen Aufschrei unter dem Hashtag metoo und dem Schweigen darüber. "Der Grat zwischen gnadenloser Enthüllung und trostreichem Gesehenwerden ist schmal" wird Heike Springhart sagen, damit auch die ständige Anwesenheit Gottes meinen, mit der es zu hadern gilt und doch wissen: "Es wird im Licht geredet werden." Oder mit anderen Worten: Wo der Schönwetterglaube abgelegt wird und ein Vertrauen zum Herrn erwächst, das größer ist als Intrigen, Spott und Häme, kann jeder Furcht entgegengetreten werden, denn "wir sind gezählt, aber wir zählen auch."

Solches ließ sich auch über Ingeborg und Detlef Schmidt sagen - und es war der Synodenvorsitzenden Hannelore Dänzer eine sichtbare Freude, mit der Konkordienmedaille die höchste Auszeichnung an zwei Menschen zu vergeben, die sich durch 37 Jahre Kirchendienerschaft und unzählige Engagements nicht nur in der Gemeinde, sondern auch von Beginn an für die Mannheimer Vesperkirche "mit hohen sozialen Idealen und Hilfsbereitschaft" eingebracht haben. Zwar konnte Ingeborg Schmidt die Medaille für ihren Mann nur noch posthum in Empfang nehmen, dankte den Verantwortlichen jedoch sichtlich gerührt und konnte die Ehre kaum fassen.

Nicht nur nach Eintritten schauen

Klare Worte sprach Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht, der als Vertreter der Stadt und Kämmerer nicht nur klargestellt sehen wollte, dass man den Erfolg eines Reformationsjubiläums nicht unter einen Eventgedanken stellen dürfte, der nur nach Kircheneintritten schaut und damit unter "ökonomische Prinzipien stellt, die hier viel zu kurz greifen" - er sah die Zukunft eines progressiven Glaubens auch entscheidend von der Formel abhängig, dass "Freiheit und Verantwortung zusammengehören."

Die Verantwortung eines friedfertigen Miteinanders übernahmen die Gäste nach einem engelsgleichen "Dona nobis pacem" der Konkordien-Kantorei unter Heike Kiefner-Jesatko an einem reich gedeckten Tisch von Herzen gerne.

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