Mannheim

Bildung Eltern unterschiedlicher Meinung zur Ganztagsschule

„Ein Grund, nach Franklin zu ziehen“

Ganz und gar nicht vertreten von der Elterninitiative, die für eine Franklin-Ganztagsschule in Wahlform eintritt (wir berichteten), fühlen sich mehrere andere Betroffene. Vor allem die Einschätzung der Initiative, ihre Gruppe sei „auf jeden Fall die Mehrheit“, stößt auf Kritik. „Mein Gefühl ist ein anderes“, sagt eine Mutter. Eine andere sagt: „Viele hier sind für die verpflichtende Ganztagsschule.“ Und eine dritte betont im Gespräch mit dieser Zeitung, allein in ihrem Baufeld mit zehn Einheiten kenne sie vier Familien, die es genauso sähen wie sie. Für manche Eltern, so ein Vater, sei ein wichtiger Grund, nach Franklin zu ziehen, die verpflichtende Ganztags-Grundschule gewesen.

Die wird auch kommen. Der Gemeinderat hat das im September 2018 beschlossen – und zwar ausdrücklich die Variante, die zu Unterricht und Betreuung an vier Tagen pro Woche bis fast 16 Uhr verpflichtet. Gesetzlich zulässig wäre auch, die Ganztagsform bis 15 Uhr zu bieten. Das hatte die Elterninitiative, die eigentlich für eine Wahlform ist, als Kompromiss ins Spiel gebracht. Für den im Herbst vorerst in der ehemaligen Elementary School beginnenden Unterricht sei das aber schon rein rechtlich nicht mehr möglich, so die Stadt. Zu einem späteren Zeitpunkt könne die Schulgemeinschaft selbst entscheiden.

Momentan elf Erstklässler

Die Eltern, die gegen die Wahlform sind, fordern aber auch ausdrücklich, bei der Zeit bis 16 Uhr zu bleiben. Nur dadurch seien Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, außerdem biete der in der verpflichtenden Form mögliche rhythmisierte Unterricht erhebliche pädagogische Vorteile.

Wofür sich die Schulgemeinschaft zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet, ob sie am derzeit beschlossenen Konzept festhält oder es modifiziert, lässt sich jetzt noch nicht absehen. Aber einige Wahlform-Befürworter reden dabei nicht mehr mit. Bereits vor einigen Tagen hatte die Elterninitiative mitgeteilt, acht der betroffenen Familien hätten einen Schulbezirkswechsel beantragt, damit ihre Kinder in eine Halbtagsschule gehen können.

Das wirkt sich auch auf die Anmeldezahlen der neuen Franklin-Grundschule aus. Von den derzeit registrierten 19 Kindern, die im Herbst in die erste Klasse kommen, blieben derzeitig nur noch elf übrig, teilte Lutz Jahre im Bildungsausschuss des Gemeinderats mit. Der Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung geht allerdings davon aus, dass durch Zuzüge bis Herbst noch einige Schüler dazukommen. Ursprünglich habe man für den Start der Franklin-Schule mit bis zu hundert Anmeldungen gerechnet.

Während die CDU sich dafür einsetzt, das Anliegen der Elterninitiative zu unterstützen und zumindest den Kompromiss einer auf 15 Uhr verkürzten Zeit zu ermöglichen, halten die Grünen dagegen. Der Gemeinderat habe sich fast einstimmig für die verpflichtende Ganztags-Grundschule ausgesprochen, betont Dirk Grunert. Der bildungspolitische Sprecher der Partei befürwortet das ausdrücklich auch weiterhin und wirft der CDU vor, ihre Position „aus wahltaktischen Gründen“ revidiert zu haben. bhr