Mannheim

Morgentour (mit Bildergalerie) „MM-Leser reisen nach Bruchsal und bestaunen dort dessen vielfältige Barock- und Rokoko-Vergangenheit

Ein Besuch bei der „Schwiegermutter Europas“

Archivartikel

Fürstbischöfliche Prunkräume – übrigens die einzigen in Baden – und Musikautomaten, die viele Generationen mit ihrer Musik erfreuten, steuerten 45 Teilnehmer einer Morgentour nach Bruchsal an.

In rasantem Tempo ging es in die Vergangenheit. Erbaut wurde die weitläufige Anlage des Schlosses , die aus 54 Einzelgebäuden besteht, von Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn und es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis nach der Grundsteinlegung endlich anno 1722 die Baulichkeiten auch im Innern einigermaßen vollendet waren, erzählte Gästeführerin Elke Vogel anschaulich.

Wie auch beim Mannheimer Schloss stand in vielen Dingen das Schloss Versailles als Vorbild. In Bruchsal entstand eine Dreiflügelanlage mit einer Symmetrieachse durch den Garten. Die Wiederrichtung des Schlosses galt lange Jahre nicht als gesichert, wurde es doch am 1. März 1945, also kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, zerstört.

Museum stellt Traum dar

Erst seit Kurzem sind die Prunkräume im Obergeschoss wieder zugänglich und mit wertvollen Tapisserien und Schmuckstücken ausgestattet, berichtete die Gästeführerin. Doch bevor es nach oben ging, mussten die Teilnehmer eine Treppe hochsteigen, vorbei am Zwischengeschoss für die Bediensteten. Diese berühmte Stiege hat Balthasar Neumann erbaut. In Fresken und Stuckaturen sind auch andere Würzburger Künstler zu entdecken, so sitzt der Baumeister selbst auf einem Gemälde neben Damian von Schönborn. Durch Pagen-, rotes, grünes und gelbes Zimmer hindurch, wurden die Besucher in den schmuckvollen roten Thronsaal geleitet. Daneben gab eine Hauskapelle und ein Schlafzimmer. In diesem wohnte Amalie, die Erbprinzessin von Baden. Sie ist bekannt als „Schwiegermutter Europas“, da sie ihre Töchter in einflussreiche Fürstenhöfe vermählte. Aus ihrer Ehe hatte sie doch sechs Töchter und zwei Söhne.

Nach der ersten Tour ging es mit Gästeführer Walter Lamprecht ein zweites Mal durch das Schloss, diesmal in die Räumlichkeiten des deutschen Musikautomatenmuseums. Das Museum selbst stellt einen Traum dar, der so alt ist wie die Musik. Schon zu allen Zeiten wollten die Menschen Musik hören, ohne selbst ein Instrument betätigen zu müssen.

Aus riesigen Schränken, in denen ganze Orchester verborgen zu sein scheinen, ertönten Walzerklänge, Schlagermelodien, ja jede Art von Musik – in bester Tonqualität. Geigen spielten unter Klavierbegleitung wie von selbst zum Tanze auf. Lebensgroße Figuren, die Akkordeon und Schlagzeug betätigen, bewegen sich in Mimik und Gestik völlig natürlich. Etwa 30 Musikautomaten wurden nicht nur erklärt, sondern von fachkundiger Hand auch musikalisch vorgeführt werden.

Ein Stadtrundgang mit Ralf Freitag und Gertrud Brückmann sowie der Besuch der Peterskirche beendeten den Nachmittag. „Das war richtig interessant. Diese Größe der Anlage hatten wir uns nicht vorgestellt. In Bruchsal, direkt vor der Haustür waren wir noch nie“, schwärmten zum Beispiel Karin und Klaus Michalski. „Hier kann man ganz schnell in die Geschichte eintauchen“, war auch Familie Kattermann begeistert. Viele fanden es einfach toll, „einen so schönen rundum gelungenen Tag“ erlebt zu haben.

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