Mannheim

Kirche Dekan Karl Jung zum Missbrauchsskandal

„Das macht mich sprachlos“

Archivartikel

In der katholischen Kirche müssten „die Zulassungsbedingungen für das Priesteramt neu bedacht werden“. Diese Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal hat Stadtdekan Karl Jung gefordert. Er sieht seine Kirche in einer „schweren Krise“, sagte er gestern beim Open-Air-Gottesdienst in St. Hildegard in Käfertal-Süd. Dort führte er Daniel Kunz, seit 2008 Dekanatsjugendpfarrer und 2012 Mitbegründer der „Jugendkirche Samuel“, als neuen Leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit Maria Magdalena ins Amt ein. Er tritt die Nachfolge von Lukas Glocker an, der Dekan in Bruchsal wurde. Künftig ist Kunz für die Seelsorge von rund 18 800 Katholiken in den Pfarrgemeinden St. Peter und Paul, Christkönig, St. Hildegard, St. Laurentius, Zwölf Apostel in Mannheim sowie St. Peter in Ilvesheim verantwortlich.

Jung nutzte die Gelegenheit zu sehr kritischen Worten. Dass – nach der jüngsten Studie, die morgen offiziell veröffentlicht werden soll – 1670 Kleriker des sexuellen Missbrauchs überführt worden seien, bezeichnete er als „Schande“. „Das macht mich sprachlos, das darf so nicht sein“, äußerte er empört. Es sei nun „eine ganz große Aufgabe“ die Glaubwürdigkeit der Kirche wieder herzustellen“ sowie „zu jeder Zeit Schutz und Fürsorge“ für Minderjährige zu gewährleisten. Kunz werde, so der Dekan überzeugt, aber ein guter Diener der Gemeinde zu sein.

Weniger Verwaltungsaufgaben

„Dir traue ich auch einen anderen Stil zu“, sagte der Dekan. Bei seiner Studienzeit Anfang des Jahres, die ihn auch nach Frankreich führte, habe er erfahren, dass Priester dort zu 75 Prozent Seelsorger seien, zu 25 Prozent Verwaltungsaufgaben wahrnehmen müssen. „Bei uns ist es umgekehrt“, bedauerte Jung. Die Kirche müsse „neue Wege gehen“, damit Priester „mehr Zeit für die Menschen haben“, statt „fachfremde Aufgaben“ zu erfüllen. Kunz hat sich in seinem Vertrag zusichern lassen, dass ihm neben der Leitung der Seelsorgeeinheit 30 Prozent seiner Arbeitszeit dafür zur Verfügung stehen, „neue Glaubenswege zu gehen, Innovationen der Glaubensvertiefung zu finden“, wie es der Dekan formulierte. Die jährlich rund 800 bis 1000 Menschen, die in Mannheim aus der Kirche austreten, „sind schließlich getauft, haben weiter ihren Glauben, daher müssen wir Formen finden, wie wir mit ihnen wieder ins Gespräch kommen“. pwr