Mannheim

Kultur Projekt in der Kerschensteiner Gemeinschaftsschule lädt Besucher zum Alien-Parkour ein / 36 000 Euro Spenden für Kunstaktion gesammelt

„Außerirdische“ landen auf der Schönau

Archivartikel

Die Tür zur Sporthalle öffnet sich. Zu sehen: ein Raumschiff. Plötzlich spuckt die Luke mit bunten Masken verkleidete „Aliens“ aus. Sie laufen entspannt weiter ins Schulgebäude, um dort Klassenzimmer für Klassenzimmer in Augenschein zu nehmen. Dabei folgen sie Anweisungen aus Kopfhörern, die ihnen den Weg weisen.

Was in der Kerschensteiner-Gemeinschaftsschule umherläuft, sind keine echten Außerirdischen. Vielmehr verstecken sich unter den Masken die Schüler der siebten Klassen. Sie befinden sich gerade mitten in den Proben für das Kunstprojekt „Die Landung“. Eine Woche lang haben die Schüler mit Künstlern des Performance-Kollektivs LIGNA einen Parkour erstellt. Dieser beginnt im Raumschiff und schlängelt sich quer durch die gesamte Schule.

Das Besondere dabei: Nicht die Schüler, sondern die Besucher sollen später in die Rolle der Außerirdischen schlüpfen. Über Kopfhörer führt eine extra dafür konzipierte Audiotour die Verkleideten durch das Gebäude – ein überirdischer Perspektivenwechsel sozusagen. Damit bei der Präsentation des Projekts am Dienstag, 28. Mai, alles glatt läuft, testen die Jugendlichen in der Turnhalle schon jetzt den Performance-Parkour, bevor er um 18 Uhr für die Besucher geöffnet wird. „Das Projekt von vorne bis hinten selbst zu organisieren, hat richtig Spaß gemacht“, sagt die 12-jährige Amelie Messner.

Ausnahmezustand Kunst

Während der einwöchigen Vorbereitung ist der Unterricht für die Siebtklässler ausgefallen. „Das Projekt war der Unterricht“ sagt Schulleiterin Christine Senger. Dafür haben die Schüler extra eine eigene Tonspur für die Audiotour eingesprochen. Per Synthesizer entstand am Computer die passende Geräuschkulisse. Auch die Geschichte hinter „Die Landung“ stammt von den Jugendlichen. „Eigentlich wollten die Aliens ganz woanders hin und sind nur in der Schule notgelandet“ erklärt Ole Frahm. Mehr will der Künstler von LIGNA aber nicht verraten. Vielmehr soll eine selbst gedrehte Nachrichtensendung die genauen Umstände erklären. Die haben die Jugendlichen unter Anleitung der Mannheimer Künstlerin Evelina Winkler aufgenommen.

Dazu befragten sie Anwohner, sprachen die Sendung ein und lernten mit Kamera, Ton und Licht umzugehen. Für die Realisierung des Projekts hat die Schule insgesamt Spenden in Höhe von 36 000 Euro gesammelt. Größter Kostenpunkt sei die Gage und Unterbringung der zehn Künstler gewesen, sagt Senger. „Dann musste Material gekauft, Equipment geliehen und ein Catering organisiert werden.“ Den Löwenanteil von 20 000 Euro hatte die Hector Stiftung gespendet. Auch der Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende beteiligte sich laut Senger mit 8000 Euro. Der Rest stammt von der Karl-Schlecht Stiftung. Sie unterstützt jährlich mit mehreren tausend Euro Kulturschulen in Baden-Württemberg, wie die Kerschensteiner-Gesamtschule.

Schwer beeindruckt

„Das ist wirklich eine beeindruckend hohe Spendensumme“, sagt Karl-Heinz Ziegler. Der geschäftsführende Schulleiter der Sekundarstufe I ist begeistert von der Spendenbereitschaft.„Für unsere Schulen ist es oft schwer, Spenden zu erhalten“, sagt Ziegler. Umso überraschter sei er nun: „Da kann man die Schule nur Beglückwünschen.“

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