Mannheim

Entdecken Nik Myftari revolutioniert mit „Spotted“ Dating-Apps und lässt Grenzen verschwinden

Alles startet im echten Leben

Archivartikel

Der Reiz der zweiten Chance, er fasziniert. Im Sport, wenn der Stürmer eine „hundertprozentige Torchance“, die eben doch nicht zu einhundert Prozent zum Tor führt, vergibt. Im Beruf nach einem Fehler, der Ansehen und Geld kostet. Oder in der Liebe, wenn der lang ersehnte Traumpartner mitten auf der Straße über den Weg läuft, die Situation – sei es Schüchternheit, sei es der Alltagsstress – es aber nicht zulässt, ihn anzusprechen.

Letzterer Fall beschäftigt auch Nik Myftari (Bild). Der im Kosovo geborene und als Kind nach Deutschland emigrierte Politikwissenschaftler gründete 2013 in einem Mehrparteienhaus in den F-Quadraten Spotted. Zusammen mit fünf Kommilitonen aus IT-Studiengängen faszinierte die damaligen Studenten der Universität Heidelberg „der Reiz der zweiten Chance bei der Partnersuche“, erklärt der 33-jährige Jung-Unternehmer in der mit hohen Decken, schwarzen Ledersesseln, vielen Computern und trotz der geschäftlichen Atmosphäre heimelig wirkenden Zentrale der Spotted GmbH in F 7.

Spotted – auf Deutsch entdeckt –, das ist die App, die Myftari und seine Mitstreiter als Reaktion auf einzelne Facebookseiten entwarfen, die sich in den vergangenen Jahren insbesondere bei Studenten phasenweise großer Beliebtheit erfreuten. Wer die App nun nutzt, kann sogenannte Flirtbotschaften verschicken – und muss hoffen, dass der Gesuchte ebenfalls Spotted-Nutzer ist und die meist in Form von Suchaufrufen geschriebene Nachricht liest. Immerhin: Laut Myftari wird jede dritte dieser Flirtbotschaften beantwortet. „Wir bekommen immer wieder Bilder von Hochzeiten, die sich aus Bekanntschaften über unsere App ergeben haben“, erzählt er mit einem Lächeln.

Abgrenzung zu ähnlichen Apps

Als Heidelberger Studenten haben sich Myftari und seine Gründerpartner einst bewusst für Mannheim als Standort ihres Start-up-Unternehmens entschieden. „Mannheim ist für Start-ups eine Art Mini-Berlin“, erzählt er. „Die Verkehrsinfrastruktur, viele bezahlbare Wohnungen, kreative junge Leute in der Innenstadt und der Uni: Das ganze Multikulti in der Stadt bildet eine hervorragende Grundlage, um ein Unternehmen zu gründen.“ Knapp drei Millionen User nutzen laut Myftari inzwischen die Spotted-App. Auf dem nationalen Markt der Dating-Apps konkurriere man hinter Tinder zusammen mit Lovoo um den zweiten Platz.

Doch Myftari versteht Spotted nicht als eine Dating-App, die ohne Weiteres mit Tinder oder Lovoo verglichen werden kann. Spotted ist anders. Im Slogan des Unternehmens „Alles startet im echten Leben!“ erkenne man bereits den Unterschied zu den klassischen Apps, erläutert er: „Unsere Nutzer sind sich bereits im wahren Leben über den Weg gelaufen. Die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt verschwinden.“ Die App sei daher eine „Gegenbewegung zu Tinder, Lovoo und anderen Dating-Apps“.

Er selbst nutzt die App übrigens nicht, jedenfalls nicht, um einen Partner zu finden. „Glücklich verheiratet“ sei er, und zeigt zum Beweis seinen Ehering. Dennoch: Ganz digital„unbelastet“ ist auch seine Beziehung nicht. Seine Frau habe er über das soziale Netzwerk StudiVZ kennengelernt, erzählt er. „Wenn ich die Spotted-App aufmache, dann nur, um die Schwachstellen zu erkennen, sie zu verbessern und die App weiterzuentwickeln.“ Ein Jahr nach der Gründung des Unternehmens, gewann Spotted die ersten großen Investoren. Heute, knapp fünf Jahre später, beschäftigt Myftari 14 Festangestellte, und das Unternehmen trägt sich seit vergangenem Jahr finanziell selbst. Es floriert, lockt Investoren. „Wir haben bewiesen, dass wir nicht nur eine coole App betreiben, sondern auch als Unternehmen funktionieren.“ 

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