Ludwigshafen

Geschichte Neu gegründeter Verein will die Bunker erhalten und das Bauwerk in der Valentin-Bauer-Straße als Museum nutzen

"Rettung für Tausende Bürger"

Archivartikel

Ludwigshafen.In drangvoller Enge harrten sie stundenlang aus. Unter der vier Meter dicken Betondecke der Bunker fanden viele Bürger im Zweiten Weltkrieg Schutz vor den 110 Luftangriffen auf die Chemiestadt. Sie spürten die Druckwellen, wenn Bomben in der Umgebung explodierten. "Auch die größten Schwätzer wurden dann still, bis Entwarnung kam", berichtet Auguste Hoffmann. Für Tausende von Bürgern waren die Bunker die Rettung.

Aber nicht nur während der Bombardements waren einige der massiven Bauwerke belegt. "Viele Einwohner kauerten nach dem Großangriff im September 1943 tagsüber in Trümmern ihrer Häuser, nachts verkrochen sie sich in die Bunker. Es war ein endloses Leid", so die Zeitzeugin aus dem Stadtteil West.

"Ohne die Bunker hätten 50 000 Ludwigshafener das Kriegsende in der Stadt nicht überlebt. Ohne sie hätte es noch viel mehr als 1300 Tote gegeben", verdeutlicht Klaus-Jürgen Becker, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, die Bedeutung der Bauwerke. Die Weltkriegs-Relikte will daher der neu gegründete Verein als wichtigen Teil der Stadtgeschichte erhalten. "Wir haben nichts gegen Umnutzungen, wollen aber einen Abriss der Bunker verhindern", sagt Vorsitzende Lucia Taglieber.

Führungen geplant

Einer der 31 Bauwerke möchte der Verein als museale Begegnungsstätte nutzen - den 1941 errichteten Bunker in der Valentin-Bauer-Straße. Der Grund ist einfach: "Im Inneren ist vieles noch so erhalten, wie es früher ausgesehen hat", sagt Becker, Geschäftsführer des Vereins. Dies betrifft etwa die Türen und Luftfilter, aber auch die Beschriftungen an den Wänden etwa zum "Aufgang links". Sogar an einen "Entbindungsraum" war gedacht worden.

Im Krieg wurde der Bunker im Stadtteil West nicht beschädigt. In den ersten Nachkriegsjahren war dort eine Leihbücherei untergebracht. Bis in die 1980er Jahre war er im Besitz des Bundes, danach wurde er der Stadt übergeben. Seit 1991 steht er unter Denkmalschutz.

Überlegungen, wonach die Verwaltung mit Fördermitteln den Bunker zur öffentlichen Nutzung etwas herrichten kann, haben sich bislang nicht konkretisiert, wie ein Sprecher erklärt. "Die Stadt wird dort sicherlich kein eigenes Museum betreiben, wir könnten es aber verwalten", erläutert Becker die Überlegungen. Der Verein könnte dort umfangreiche Dokumente ausstellen und Führungen anbieten - ähnlich wie in den Städten wie Bremen, in denen sich ehrenamtliche Gruppen auf die gleiche Weise einbringen.

Viele andere Bunker im Stadtgebiet werden als Lagerräume genutzt - oder für andere Zwecke. Als Kletterturm verwendet der deutsche Alpenverein seit 1988 den Spitzbunker an der Pasadenaallee. Das Bauwerk in der Rollesstraße, in das nach dem Krieg ein Wasserbehälter eingebaut worden war, wird seit 2008 kulturell als Café und Club unter dem Namen "kulTurm" genutzt.

Mit Bedauern registriert der Verein, dass der "Würfelbunker" hinter dem Rathaus-Center wegen des Baus der ebenerdigen Stadtstraße abgebrochen werden soll. Denn dieser birgt insofern eine Besonderheit, weil dort die mechanische Sauerstoffanlage sehr gut erhalten ist. "Da kein Strom zur Verfügung stand, mussten die Filterpressen permanent gedreht werden", sagt Becker und ergänzt: "Nicht nur wegen der dicken Bunkerdecke, sondern auch dank der Lüftungsanlage hat die Bevölkerung den Krieg überlebt."

Erlebnisberichte sammeln

Aber nicht über alle Bunker hat der Verein gute Informationen. Dies gilt etwa für den unterirdischen Schutzraum auf der Parkinsel. "Er soll abgesoffen sein. Genaueres ist nicht in Erfahrung zu bringen", so der Geschäftsführer.

Nicht in Vergessenheit geraten sollen indes die Erlebnisse von Zeitzeugen. "Die Generation hat viel Schlimmes im Krieg erlebt und den Wiederaufbau geschultert", sagt Becker. Daher wird der Verein als weiteren Schwerpunkt deren Berichte sammeln und dokumentieren. "Dieses Kapitel der Stadtgeschichte darf nicht verloren gehen."

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