Ludwigshafen

Innenstadt Landrat Clemens Körner moniert akute Raumnot / Standort von Hochstraßenabriss tangiert / Alternativangebote liegen vor

Kreisverwaltung prüft Umzug

Archivartikel

Ludwigshafen.Am aktuellen Standort in Ludwigshafen erweitern oder andernorts neu bauen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises derzeit intensiv. Und je umfassender sie sich mit dem Thema auseinandersetze, desto mehr Argumente für einen Neubau würden sich ergeben, berichtet Landrat Clemens Körner (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir stehen in der Verantwortung, für unsere 650 Mitarbeiter die beste Lösung zu finden – und aus dieser Verantwortung heraus müssen wir uns Gedanken machen, ein neues Kreishaus zu errichten“, betont er.

45 neue Büroplätze notwendig

Ausschlaggebend für die Überlegungen des Kreises seien zwei Themen. „Einerseits besteht in dem Gebäude am Europaplatz akute Raumnot“, erklärt Körner. Rund 40 bis 45 neue Büroplätze seien im Grunde sofort notwendig. Auf der anderen Seite spiele auch der geplante Abriss der Hochstraße Nord, die in unmittelbarer Nähe des Kreishauses verläuft, bereits eine Rolle für die Standortfrage. „Wir würden uns mitten in der Baustelle befinden“, so Körner. „Durch Lärm, Erschütterungen und Staub wäre zumindest der Südflügel des Hauses für rund vier oder fünf Jahre nicht nutzbar. Denn das kann eine Verwaltung bei laufendem Betrieb nicht leisten.“

Bei diesem Szenario würden die bereits existierenden Erweiterungspläne auf dem aktuellen Areal am Europaplatz hinfällig werden. „Man muss bedenken, dass wenn die Operation in Ludwigshafen einmal vorbei ist, eine siebenspurige Stadtstraße unmittelbar am Kreishaus vorbei verlaufen würde“, erläutert der Landrat. „Dadurch müssten wir mindestens fünf Millionen Euro für angemessenen Lärmschutz aufwenden.“ Hinzu kämen die rund neun Millionen Euro für den Erweiterungsbau und weitere Millionenbeträge für Brandschutz und energetische Aufrüstung. „Da müsste einiges passieren, damit das rund 30 Jahre alte Bestandsgebäude die heutigen Auflagen erfüllt“, räumt Körner ein.

„Viel spricht für Neubau“

Bei dieser Konstellation sei abzuwägen, wie viel Geld am aktuellen Standort im Vergleich zu einem Neubau aufgewendet werden müsste. „Je mehr Vergleichsrechnungen wir anstellen, desto mehr spricht für einen Neubau“, sagt Körner. Dieser müsse zwar nicht zwangsläufig außerhalb von Ludwigshafen liegen, im Rhein-Pfalz-Kreis gebe es jedoch einige interessante Optionen. „Wir haben mehrere Angebote für Grundstücke, die recht schnell als Baugelände umgesetzt werden könnten“, meint Körner. Unter den sechs bis sieben Optionen sei auch eine Fläche, die dem Kreis bereits gehöre, sowie gewerbliche Areale – etwa ehemalige Fabrikgelände.

Die Ludwigshafener Stadtspitze will einen Umzug des Kreishauses verhindern. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, damit die Kreisverwaltung in Ludwigshafen bleibt“, betont Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). „Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass man sich im Kreishaus Gedanken über eine Entwicklung der Verwaltung auch mit Blick auf den Hochstraßenabriss macht. Es ist klar, dass man die Bauarbeiten in direkter Nachbarschaft spürt“, sagt sie. Deshalb werde man Gespräche führen, um Lösungen auszuloten. Erstmals wollen sich beide Seiten am Dienstag treffen.

Clemens Körner ist für Angebote offen. „Rangeleien können wir nicht gebrauchen. Wir müssen das Problem gemeinsam klären.“ Wenn sich ein geeignetes Gelände in Ludwigshafen finden würde, könnte sich der Kreis auch dort einen Neubau vorstellen. Steinruck jedenfalls findet ihren Wunsch legitim: „ Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Schulen, Kultur – all das finden die Kreisbewohner in Ludwigshafen. Warum sollte dann das Kreishaus nicht hier stehen?“