Ludwigshafen

Tag des offenen Denkmals Führung durch den Betonklotz in der Valentin-Bauer-Straße

Großer Andrang bei Bunkerbesichtigung

Archivartikel

Ludwigshafen.Sirenen heulen, das Licht flackert, dann detonieren Bomben – die Klanginstallation von Künstlerin Karin Maria Zimmer lässt erahnen, wie es gewesen sein musste zu Kriegszeiten. Bis zu 1000 Menschen suchten jeweils in den Bombennächten zwischen 1942 und 1945 Schutz im Bunker in der Valentin-Bauer-Straße. Ausgelegt war er eigentlich nur für 200 Personen. Sanitäranlagen und Belüftungsanlage sind bis heute erhalten.

Gestern konnte das Bauwerk am Tag des Denkmals besichtigt werden – wenn auch nur das Erdgeschoss. „Wir haben keinen Notausgang“, erläuterte Klaus-Jürgen Becker vom Stadtarchiv die aktuellen Auflagen der Feuerwehr.

„Da hat es ordentlich gerappelt“

„Damals haben alle überlebt, die hier drin Schutz gesucht haben“, so Becker. Mit 31 Luftschutzbunkern in Ludwigshafen sei die Dichte im Vergleich zu anderen Städten hoch und die Opferzahlen niedrig gewesen.

„Eltern mit Kindern sind immer direkt in den Keller“, erinnert sich Hugo Schips (81). „Da hat es weniger gewackelt. Aber oben hat es ordentlich gerappelt.“ Meistens sei seine Familie im Bunker in der Schanzstraße untergekommen. Wenn dieser aber überfüllt war, musste man ausweichen. Zur Besichtigung nach den vielen Jahren kam Schips wegen seiner Tochter: „Sie wollte das unbedingt mal sehen.“

Zahlreiche Besucher, darunter viele Familien, ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen. „Wir sind oft daran vorbeigefahren, jetzt wollten wir sehen, wie es von innen aussieht“, war zu hören. Ob man den Bunker nicht abreißen könne, wurde oft gefragt. Das sei möglich, aber teuer, meinte Becker. Er plädiere für den Erhalt, um künftigen Generationen zu zeigen, „dass Krieg nicht lustig ist“. Bei Vorträgen seien für die Schüler die Smartphones in der Hand oft interessanter. „Im Bunker drin merken sie aber, wovon ich rede.“

Groß war das Interesse auch am ehemaligen Hallenbad Nord. Das Schwimmbecken dient als Löschwasservorrat für das Müllheizkraftwerk. GML-Chef Thomas Grommes führte durch die Anlage. Dabei erzählte er die Geschichte des Hauses nach der Schließung 2001 über die Umrüstungsmaßnahmen nach dem Großbrand im Müllbunker 2010 bis zur Einweihung in neuer Funktion 2015. „Das war uns aber nicht genug“, so Grommes.

Denn immerhin verbinden viele Menschen Erinnerungen mit dem Gebäude – sie haben hier schwimmen gelernt oder ihre spätere Frau getroffen. Deshalb finden seit 2016 regelmäßig Veranstaltungen im ehemaligen Hallenbad statt, vom Klassikkonzert bis zum Vortrag über Plastikmüll in der Natur.

„Hier riecht es ja immer noch nach Hallenbad“, stellte ein Besucher fest. Das liegt daran, dass im Schwimmbecken wieder gechlort wird, um Algenwuchs zu verhindern. Im Keller konnten die Besucher die drei Löschpumpen mit Schiffsdieseln von 370 PS bestaunen. Zwischen 100 und 150 Kubikmeter Wasser zieht das Müllheizkraftwerk täglich aus dem Becken – Betriebswasser für die Rauchgasreinigung. Oben fließt Leitungswasser nach. hbg