Leserbrief

Hier hat der Leser das Wort: Zur aktuellen Situation im Bildungs- und Erziehungsbereich

Warum wird das Schulschwimmen so vernachlässigt?

Warum wird unser Schulschwimmen in den Grund-, Haupt- und Realschulen so vernachlässigt? Mit diesem Leserbrief möchte ich einen Appell an all diejenigen Schulen richten, die derzeit kein Schulschwimmen anbieten. Schwimmen gehört zu den Grundfähigkeiten unserer Kinder, und ist somit unverzichtbarer Bestandteil des Bildungs- und Erziehungsauftrages unserer Schulen.

Repräsentative Umfragen haben ergeben, dass 30 Prozent aller Elfjährigen nicht oder nur ansatzweise schwimmen können. Kinder, die nicht schwimmen können, haben nicht selten grobmotorische Schwierigkeiten. Laut einer Studie ist jedes fünfte Kind in Deutschland übergewichtig, und 61 Prozent aller 29-Jährigen haben Rückenprobleme.

Sie können sich vorstellen, liebe Leserinnen und Leser, was da auf unser eh schon strapaziertes Gesundheitswesen zukommt.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass das in den Lehrplänen verankerte Schulschwimmen neu belebt wird.

Mein Appell richtet sich auch an die Verantwortlichen unserer öffentlichen Bäder, denn die Schulschwimmer von heute sind die Badegäste von morgen.

Wie wir alle wissen, gehören unsere öffentlichen Bäder zu den defizitären Einrichtungen unserer Städte und Gemeinden, und daher ist es umso wichtiger dafür Sorge zu tragen, dass unsere Schwimmbäder auch in Zukunft ausreichend Badebesucher haben. Nichtschwimmer werden zur Kostendeckung unserer Bäder nichts beitragen.

Gerne denke ich an meine Jugend zurück, in der das städtische Freibad nicht nur ein Ort des Badevergnügens war, sondern auch ein Ort der Kommunikation und ein Ort, an dem man seiner ersten Liebe begegnet ist. Und selbst wenn wir rausgeflogen sind, weil wir mal wieder vom Rand gesprungen sind, so war doch das Schwimmbad der Ort, an dem wir unsere Freizeit verbracht haben.

Ich denke gerade an die städtischen Ballungszentren, wo Jugendliche ihre Freizeit auf der Straße verbringen. Diese Jugendlichen wären in einem Freibad sicher besser aufgehoben. Aber welcher Nichtschwimmer geht schon in ein Freibad.

Um noch einmal auf die Kommunikation zurückzukommen. Betrachtet man ein Freibad aus der Vogelperspektive, so kann man feststellen, dass nur etwa 15 Prozent aller Besucher im Wasser sind, der Rest ist mit Lesen, Spielen oder Kommunikation beschäftigt.

Alle hier genannten Argumente sind schon Grund genug, das Schulschwimmen neu zu beleben.

Und denken Sie bitte auch an die Sicherheit unserer Kinder: Viele Unfälle könnten verhindert werden, wenn alle Kinder schwimmen könnten.

Erklärungen, auf das Schulschwimmen zu verzichten, gibt es immer, kein Personal, keine Transportmöglichkeit usw., dabei sind gerade bei uns in Wertheim die Voraussetzungen nicht schlecht - und sollte die Kapazität der Kleinschwimmhalle nicht ausreichen, so könnte man das Hallenbad Külsheim oder das Hallenbad in Faulbach mit einbeziehen.

Aus meiner Sicht ist es unverständlich, dass nur Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums das Schulschwimmen vorbehalten ist, hier sollte doch für eine Gleichberechtigung Sorge getragen werden.

Mit gutem Beispiel gehen hier einige unserer großen Städte im Bundesgebiet voran. Genannt seien etwa Hamburg, Düsseldorf und Köln.

Hier haben Schulen und Badbetreiber, ein gemeinsames Konzept erarbeitet um allen Kindern das Schwimmen zu ermöglichen.