Leserbrief

Leserbrief Zur Diskussion um Altersarmut

Verbot der Leiharbeit

Die von Frau von der Leyen angezettelte Diskussion um die Armut im Alter hat auch eine positive Nachricht:

Sie gesteht erstmals ein, dass Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen bis 2500 Euro im Monat später in die Armut fallen werden, denn anders kann man eine monatliche Rente von 688 Euro wohl nicht nennen.

Was sie verschweigt, ist, dass selbst bei einem von ihr und den Unternehmensverbänden abgelehnten Mindestlohn von 7,50 Euro ein Arbeitnehmer 333 Stunden pro Monat arbeiten müsste, um diesen Bruttolohn zu erhalten. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden müsste der Mindestlohn 14,80 Euro betragen, um 2500 Euro zu erreichen.

Vergessen wir nicht, dass eine große Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bisher deutlich unter 7,50 Euro pro Stunde, also unter 1267,50 Euro brutto im Monat verdient. Da kann die Ministerin noch so viel mit einer Aufstockung locken, wer kann denn bei diesen Niedriglöhnen noch eine private Vorsorge treffen?

Schlussendlich ist das Angebot nur der untaugliche Versuch, jetzt schon arme Menschen in die Arme von Versicherungsunternehmen zu treiben, die dann aufwändige Lustreisen mit den Beiträgen finanzieren.

Bei Licht betrachtet läuft die beabsichtigte Maßnahme nicht auf eine deutliche Verringerung der Altersarmut, sondern auf eine Subventionierung des Versicherungswesens hinaus.

Stattdessen würden folgende Maßnahmen wesentlich zur Verbesserung der Rentensituation beitragen:

Verbot der Leiharbeit. Die Unternehmen könnten mit den an die Leiharbeitsfirmen gezahlten Beiträgen die Beschäftigten leistungsgerecht bezahlen und diese könnten über ihre Beiträge zur Sozialversicherung für das Alter vorsorgen. Den Beitrag zur Arbeitsvermittlung durch die Leiharbeitsfirmen müssten dann wieder die eigentlich dafür zuständigen und teuer bezahlten Arbeitsagenturen übernehmen.

Verbot der Ein-Euro-Jobs, denn diese erbringen keinen Beitrag zur Rentenversicherung, sondern verhelfen lediglich Unternehmen zu billigen Arbeitskräften.

Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung für die Besserverdienenden, wie zum Beispiel in der Schweiz praktiziert, die zu einer wesentlichen Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit beitragen würde.

Da aber die vom Volk gewählten Vertreter der etablierten Parteien vor allem die zahlreichen auf sie angesetzten Lobbyisten, man spricht von sieben pro Abgeordneten, zufrieden stellen müssen, ist auch in Zukunft , unter welcher Regierung auch immer, keine Besserung in Sicht.