Leserbrief

Leserbrief: Zweifel am Konzept der Transversale / in 24 Stunden maximal 8400 Fahrzeuge

Ungeheure Eingriffe in die Umwelt

Die Umweltverträglichkeitsstudie UVS listet erstmalig alle Aspekte der geplanten Transversale auf. Sie kommt - mit Schieben und Drücken - zu dem höchst erstaunlichen Ergebnis, dass die sogenannte Rinschbach-Variante "in etwa gleich" gegenüber dem jetzigen Zustand zu gewichten sei. Dieses Ergebnis werde möglich unter "sehr starker Gewichtung des Wohnumfeldes, das heißt, des Schutzgutes Mensch".

Sicher werden Orte teilweise vom Verkehr entlastet, aber andere erfahren eine Belastung. Auf der anderen Seite werden unwiederbringlich und massiv natürliche Schutzgüter zerstört oder beeinträchtigt: der Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer, Klima/Luft, Arten- und Biotoppotential und das Landschaftsbild.

Die Transversale verläuft in großen Strecken auf der Hochebene zwischen Eberstadt und Adelsheim - in einer bislang kaum zerschnittenen Landschaft.

Die Transversale geht jeden im Landkreis an. Sie kostet nach heutiger Schätzung über 16 Millionen Euro, die der Landkreis abzüglich des möglichen Landeszuschusses tragen muss. Beides sind unsere Steuergelder.

Grundlage der UVS ist die Verkehrsprognose für 2020: erwartete Steigerung um 21 Prozent für Autos, 25 Prozent für Lastwagen; Zahlen, die ich für überzogen halte. Meine Frage nach dem Anteil des Ziel- und Quellverkehrs (Fahrten innerhalb des Nahraums), der erheblich ist und mindestens im 30-Prozent-Bereich liegt, wurde in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr nicht beantwortet.

Gleichwohl wurde der Anspruch auf Transparenz erhoben. Man müsste also einen bestimmten Prozentsatz vom Verkehrsaufkommen wieder abziehen. Betrachtet man die absoluten prognostizierten Transversale-Zahlen einschließlich des B 292-Neubaus, fragt man sich nach der Verhältnismäßigkeit. Der Gedanke an "Verschwendung von Steuergeldern" taucht auf.

In 24 Stunden sollen 2020 einschließlich des prognostizierten Zuwachses maximal 8400 Fahrzeuge die Transversale "bevölkern". Da wundert es nicht, dass das Bundesverkehrsministerium überhaupt keinen Bedarf für eine Autobahn sieht. Es ginge auch anders, ohne die ungeheuren Eingriffe in unsere Umwelt und ohne die Umverteilung der Belastungen. Beispielsweise mit eingebauter Verkehrsberuhigung wie Verkehrsinseln, unterschiedlichem Straßenbelag und zeitlich beschränkten Lieferzeiten für Geschäfte.

Woanders ist das möglich. In Zukunft sind lärmarme Elektroautos zu erwarten, so dass auch diese Geräuschquelle teilweise entfällt. Zu bedenken gebe ich weiterhin, dass die Geschäftsleute in Osterburken - und in Mosbach - als Folge der B 27 schon lange über Einkommensverluste klagen. In Adelsheim und in den Dörfern wird es ähnlich sein, wenn der Durchgangsverkehr als Kundschaft wegfällt. Hier plant man mit alten - und sehr teuren! - Instrumenten für die Zukunft, die unsere Kinder zu bezahlen haben werden! Ich rufe zum Überdenken auf!