Leserbrief

Leserbrief Zu „Scheuer: ,Es wir ein Jahrzehnt der Schiene’“ (FN, 15. Januar)

„Stellung der Weichen gibt die Richtung vor“

Ein Jahrzehnt der Schiene verspricht Verkehrsminister Scheuer, der bereits mit der Einführung der Maut nicht mit sehr viel Um- und Weitsicht glänzte. Allzu blauäugig ist sein Glaube, allein die drastische Erhöhung der Investitionen würden das Bahnproblem lösen.

Bereits für laufende Projekte fehlen den Planern die Ingenieure, den Baufirmen die Fachkräfte und den Lieferanten die Kapazitäten. Verschiebungen oder gar Absagen von Baumaßnahmen und zusätzliche betriebliche Behinderungen sind die Folgen. Für parallel laufend Baumaßnahmen stehen unzureichende Abstellgleise zur Verfügung, notwendiger Wagenraum und Spezialmaschinen sind nicht verfügbar.

Bahnchef Lutz redet von kundenfreundlichen Bauen. Bereits heute werden viele Gleisbauprojekte, nachts und am Wochenende ausgeführt. Kundenfreundlicheres Bauen bedeutet noch mehr Maßnahmen in dieser betriebsarmen Zeit, die den Beruf des Gleisbauers noch unattraktiver machen.

Als Angestellter eines Bahnbauunternehmens freue ich mich natürlich über die Investitionszusage, erkenne aber auch, dass diese Summen mit den derzeit verfügbaren Kapazitäten unserer heimischen Bauwirtschaft nicht umgesetzt werden können.

Statt profilierungssüchtigem Aktionismus ist hier ein runder Tisch aller Beteiligter gefordert, an dem es nicht nur darum geht, welche Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, sondern auch um deren sinnvolle Verwendung.

Firmen brauchen Planungssicherheit für ihre Investitionen, und auch Maßnahmen zur Förderung der Attraktivität der Berufe in der Bauwirtschaft sollten kein Tabuthema sein.

Die Stellung der Weichen gibt die Richtung vor.