Leserbrief

Leserbrief Zu „Soll Wählen schon mit 16 erlaubt sein?“ (FN, 31. Juli)

„Reife ist nicht allein eine Frage des Alters“

Die Demokratie gewinnt mit Erstwählern von 16 Jahren, wenn auch sie an der Zusammensetzung von Länderparlamenten und Bundestag mitwirken.

Die „fehlende Reife“, wie von Kritikern behauptet, ist unzutreffend, denn bei einer Wahlperiode von fünf Jahren sind statistisch gesehen rund 20 Prozent der Erstwähler bei einem Eintrittsalter von 16 bereits 20 oder älter.

Da unter Jugendlichen ein breites Interesse an politischen Prozessen und gesellschaftlicher Teilhabe besteht, und die Weichen ihrer Zukunft in der Gegenwart gestellt werden, ist es eine logische Konsequenz, sie an wichtigen Wahlen zu beteiligen. Zudem ist Reife nicht allein eine Frage des Alters. Warum sonst wählen in manchen Gegenden bis zu 25 Prozent der 18-plus Erwachsenen populistische Parteien? Ganz einfach: weil, Zitat Kretschmann, „wir eine Demokratie der Mehrheit und nicht der Weisheit haben“.

Vielmehr geht es den Gegnern um machtpolitische Besitzstandswahrung. Progressive Politik steht der Erstwahl mit 16 offen gegenüber. Junge Abgeordnete sind in eine Fraktion mit Älteren eingebunden. Zudem besteht aufgrund der Überalterung unserer Gesellschaft keinerlei Gefahr einer politischen Überfremdung von Greta Thunberg-Anhängern (bewusst überspitzte Formulierung).

Können Heranwachsende in einem Alter wählen, in dem sie bei den Eltern wohnen, bekommen wir politische Diskussionen in die Haushalte, da sich die Eltern für die politischen Ansichten ihres Nachwuchses interessieren, solange man sich die vier Wände teilt.

Mit der Diskussion wächst die Reflexion der eigenen Ansichten und des Verhaltens, was der eigenen Entwicklung förderlich wäre.