Leserbrief

Leserbrief Zum Leserbrief „Es geht um das Wichtigste – das Leben“ (FN, 7. Juni)

Menschen werden juristisch für tot erklärt

Sehr geehrter Herr Pfarrer Zopora,

ja, „es geht um das Wichtigste – das Leben”, und zwar das der Organ„spender”. Diese sind nicht tot, sondern lebende Menschen, die im Sterben liegen!

Das Herz schlägt, sie sind warm, eine Schwangere kann sogar noch ein Kind austragen etc., aber ihr Sterbeprozess wird künstlich verlängert durch den Einsatz von Intensiv-Maschinerie.

Auf dem Organspendeausweis steht „nach meinem Tod”, aber das ist eine – meiner Meinung nach – bewusste Irreführung. Menschen werden hier juristisch „für tot erklärt , um über diese straffrei verfügen zu können! Wissen Sie das alles? Wissen Sie, dass es viele falsche Diagnosen des „Hirntods” gibt, dass die Menschen erst auf dem OP-Tisch durch „Ausschlachten“ der Organe sterben?

Finden Sie es in Ordnung, wenn man per Gesetz zu etwas verpflichtet wird (Widerspruchslösung), über das man nicht umfassend und ehrlich informiert wurde?

Ist es mit unserer rechtsstaatlichen Würde des Menschen vereinbar (Grundgesetz Paragraf 1), dass Dritte/Angehörige über das Schicksal eines Sterbenden und damit die Entnahme der Organe entscheiden sollen (die zu Lebzeiten weder das Auto noch das Haus des Betroffenen verkaufen oder verschenken könnten)?

Was ist mit der Ganzheitlichkeit des Menschen (Seele, Geist, Körper), wenn jetzt der Zustand des Gehirns allein als Maßstab gelten soll? Als Hospizbegleiterin darf ich bei keinem solch Sterbenden die Hand halten, ich kann nur auf das Internet verweisen und dringend raten: machen Sie sich kundig, suchen Sie alle (!) Informationen und bleiben Sie wachsam.

Für mich ist das Thema ein ethischer Dammbruch im Namen der Medizin – und das hatten wir schon!